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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Mingrelien und Gurien, aus welchen im Alterthume die Reiche Kolchis, Iberien und Albanien gebildet waren. Seit Kurzem ist es als grusinisch-imerethisches Gouvernement dem Staatenkomplex des nordischen Riesen einverleibt.
Die Zahl seiner Einwohner ist nicht ganz eine Million, von denen 700,000 dem eigentlichen georgischen Stamme angehören. Turkomannen, Osseten, Tartaren, Mongolen, Armenier und Juden, theils Einwanderer und Kolonen, theils Raçentrümmer aus den früheren Einfällen und Kriegen, bilden den Rest der Bevölkerung. Der größte Theil bekennt sich zum griechisch-christlichen Glauben; doch sind auch unter der langen Tyrannei mohammedanischer Eroberer Viele zur Fahne des Propheten übergetreten. Fast die Hälfte der Gurier sind Muselmänner. Seit undenklicher Zeit hat sich in diesen Ländern eine Art Feudalverfassung ausgebildet, welche unter allen Wechseln der Herrschaft sich in ihren Grundzügen aufrecht erhielt. Der sehr zahlreiche Adel, dessen Häupter die Familien der ehemals souveränen georgischen Fürsten sind, hat den bei weitem größten Theil des Grundbesitzes inne, und ihm ist der dritte Stand der Leibeigenen, welche, als Hörige der Scholle, für den Edelmann arbeiten, unterthan. Der zweite Stand der Freien bewirthschaftet kleinere Güter oder er lebt von Handel und Gewerben in den Städten.
Unähnlich dem gewöhnlichen Verlaufe scheint die früheste Ansiedelung des Landes von der Höhe zur Tiefe, von den Quellflüssen des Kur abwärts bis an’s schwarze Meer zu gehen. Wo der Kur, vom Hochgebirg umgeben, als reißendes Gletscherwasser sich durch Schluchten und Klüfte seinen Weg bahnt, sucht die Tradition die Urgeschichte Georgiens auf. Dort sind die geheimnißvollen Ruinen seiner ältesten Wohnsitze: die Troglodyten-Stadt von Uplis-Ziche, und die grauen Trümmer von Armas, deren Mauern Giganten aufgeschichtet zu haben scheinen. Die Feudalverfassung, welche schon 1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung sich unter den Völkerschaften des Kaukasus und Armeniens mehr oder weniger ausbildete, war der Anlage großer Städte ungünstig: unseren Rittergeschlechtern des Mittelalters gleich, baute sich jeder adelige Mann eine Burg oder ein Kastell auf einer Höhe, und versammelte um dieselbe die Hütten seiner Hörigen, die ihm das Feld bewirthschafteten und die er zu schützen verbunden war. Den Fürsten zum Heerbann verpflichtet, lebte der Edelmann übrigens sehr unabhängig und bildete sich ein, in dem engeren Kreise seiner Besitzungen selbst ein Fürst zu seyn. Günstig der Bewahrung einer freiheitsstolzen Gesinnung und aller häuslichen Tugenden war diese Einrichtung doch der Entwickelung der Eintracht und Stärke des Staats nicht zuträglich: Georgien, durch seine Lage nicht geschützt, wie die Volksstämme der Nachbarn in den hohen Gebirgen, wurde beständig von den Einfällen fremder Nationen heimgesucht, welchen bald von Nord her, bald von Süd, nach der paradiesischen Landschaft gelüstete. Heute fielen die armenischen Reiterschwärme ein, morgen kamen die tartarischen, oder die persischen Verwüster und Eroberer, ein anderes Mal stiegen die Scythen aus dem Norden herab und der lockere Verband der georgischen Fürsten unter sich und ihres Adels war nicht dazu gemacht, sich aller dieser Feinde stets mit Erfolg zu erwehren. Schon 633 v. Chr. gerieth Georgien unter das Joch der Scythen; später wurden sie den Persern unter Darius Hystaspes
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 35. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/43&oldid=- (Version vom 10.11.2025)