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Stelle durchbrochen wird, im Norden aber weit geöffnet ist mit einem prächtigen Fernblick auf die hohe Alpenkette des Kaukasus, die gerade im Mittelgrunde den kameelbuckelförmigen Gipfel des Kasbek zeigt. Das Amphitheater der Häuser zieht von Nordwest nach Südost immer steiler hinauf; im Vordergrunde dehnt am linken Ufer Awlabar sich aus, eine theilweis von deutschen Handwerkern bewohnte, von Wagen, Waarenballen und Floßholz überfüllte Vorstadt; auf dem anderen Ufer erhebt sich in sanfter Steigung die alte Stadt, deren Häuser noch vielfach mit grasbewachsenen Erdterrassen eingedeckt sind, während die stattlichen Neubauten dazwischen mit grün und roth gemalten Holzdächern prangen, oder in strohgelbem Anstrich zwischen den schmutzig braunen armenischen und georgischen Häusern hervorleuchten. Vor Allem fallen die blanken einförmigen Mauern der großen Kasernen in’s Ange, daneben die im armenisch-georgischen Baustyle nicht kuppelförmig gewölbten, sondern kegelförmig zugespitzten, mit bunten Farben bemalten alten Dome, die, gleich gewaltigen massenhaften Kirchthürmen, über die niedrigen Häuser hervorragen; nicht so die Wohnung des russischen Generalgouverneurs, die an der Stelle des alten georgischen Königspalastes steht, wiewohl ihr Bewohner mit unumschränkter Gewalt über Länderstrecken von Deutschlands Größe zu sagen hat. Je höher die Häuserreihen zum Rücken des Berges hinaufziehen, um so prächtiger zeigt sich die Stadt, in welcher gerade durch diese amphitheatralische Gruppirung die Festungen, Kasernen, Kirchen, Kapellen, Bazars und Karawanserais so bedeutend gewinnen, daß ich den Anblick von Tiflis, verglichen mit Konstantinopel, Genua, Neapel, Brussa, Prag, Salzburg oder Algier, auf keine Weise in die letzte Reihe stellen würde. Denn eben der ernst-schöne Charakter seiner Felsenumgebung, die fremdartige bunte Mannigfaltigkeit seiner Bauwerke an den hohen Ufern des wilden Bergstromes und jene Mischung von Morgen- und Abendland geben ihm an großartiger Pracht noch den Vorzug vor Prag, mit dem es sonst eine gewisse Aehnlichkeit hat. Dies ist das Bild der mächtigen Stadt, von der der Siegesflug des russischen Adlers schon weit nach Süden drang; hier muß der Glanz des weißen Czaren ganz entfaltet werden, damit die Völker davon staunend wiedersagen; hier wird so manches kühne, kaukasische Fürstenherz gebändigt und zum Frieden umgestimmt, wenn es erkennt, wie doch an diesem Fels sich endlich die Wogen der größten Tapferkeit brechen müssen.

Noch bis zum Jahre 380 n. Chr. war Tiflis ein ärmliches Dorf, das seinen Namen von den heißen Quellen trug, die sich an einem kleinen Bache finden, der mitten in der heutigen Stadt dem Kur zufließt. Da aber gründete ein persischer Befehlshaber, der einige grusinische Volksstämme unterwarf, ein festes Schloß an den Bädern, und 70 Jahre später ein georgischer Fürst die eigentliche Stadt in drei Quartieren, die Schloßstadt oder Kalissi, die Bäderstadt Thilissi und die heutige Vorstadt Nissani, wohin dann 50 Jahre später, um’s Jahr 500, die Residenz der georgischen Könige selber verlegt ward. Als solche war sie in allen Wechselfällen des Schicksals und unter Timur der schrecklichsten Plünderung preisgegeben, bis endlich zuletzt noch im Jahre 1795 der Wütherich Aga-Mahomet-Khan