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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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mit Persern, Kurden und Tartaren den größten Theil von ihr in einen Schutthaufen verwandelte. Schon vorher waren die Russen als bleibende Schutzherren Georgiens eingetreten. Sie bauten Tiflis schöner auf und fügten die neuen weiten Straßen den schattigen Gassen der Orientalen hinzu, so daß die Stadt nun über viertehalbtausend Häuser zählt und jetzt der Sammelplatz all’ der Völker vom Araxes bis über den Kaukasus hinaus, wie vom kaspischen und schwarzen Meere geworden ist. Die gemeinsame Sprache, durch welche alle sich verständigen, ist die tartarische, wiewohl auch russisch viel gehört wird. Zwei Reihen räucheriger Küchen sorgen für Speisung der Tausende fremdartiger Gäste, welche die hiesigen Märkte besuchen; Schneider, Schuster, Sattler, Barbiere und Waffenschmiede arbeiten theilweis in offenen Buden auf der sogenannten großen Straße; die Würtemberger bringen Gemüse und Kartoffeln, Georgier liefern Geflügel, Kaukasier Wildpret und Felle, Armenier Stoffe zu Kleidern, Tartaren die trefflichen Pferde. Vor Allem prangen die kostbaren Waffen, die für den Bergbewohner in den Buden ausgelegt sind, um allerlei seltenere Gäste aus weiter Ferne herzulocken; dann müssen die großen militärischen Schauspiele im Maimond dazu dienen, die Herrlichkeit des großen „Padischah in Petersburg“ zu veranschaulichen, und selbst der griechische Gottesdienst mit seiner überwältigenden Pracht und seinem zu Rom nicht so herrlich ausgeführten Chorgesange kann nur den gleichen Zweck erfüllen wollen. Denn von dem Christenthum des Abendlandes, zumal wie es das evangelische ist, weiß man sich hier kaum eine Vorstellung zu machen, da Niemand um das Evangelium sich kümmert, was nur des Priesters Sache ist; daher denn auch der russische Soldat so lange noch für sich den Himmel offen weiß, als er nur seine Messe nicht versäumt, die Fasten streng gehalten, das vorgeschriebene Gebet gemurmelt, gekniet und sich bekreuzigt hat. Dem mohammedanischen Gottesdienste steht diese Art und Weise näher, als man glaubt; sittliche Tüchtigkeit wird nicht begriffen, oder als Thorheit verstanden; nur Almosengeben an jedem Freitag, wo die Bettlerschaar sich durch die ganze Stadt ergießt, führt noch zum Himmel ein. Aus diesem Grunde haben die beiden Vorgänger des redlichen, aber einfachen Generalgouverneurs v. Neidhardt, Baron v. Rosen und Fürst Golowin, bei diesen Völkern mehr gewirkt, als sonst nur möglich wäre, indem sie, obschonweit unter dem großartigen Yermoloff stehend, durch die Pracht ihrer Hofhaltung des letzteren Schöpfungen wenigstens wohl zu erhalten wußten, während v. Neidhardt durch seine bescheidene Eingezogenheit und namentlich dadurch, daß er selbst die zu Ostern üblichen großen Hoffeste unterließ, den ganzen Kreis des längst an Pracht, Tanz und Lust gewöhnten Adels sich zum Feinde machte. Dies mag denn auch der Grund gewesen seyn, weshalb der greise Sardar der Kyrosstadt im Frühlinge des Jahres 1845 durch Graf Woronzow ersetzt ward, der seitdem den Fürstentitel führt. Selten, vielleicht niemehr, hat Tiflis solch einen zauberischen Glanz, solchen Zudrang von Menschen, solch eine wunderbare Pracht gesehen, als bei dem Einzuge dieses neuen Statthalters. Ein sonniger Himmel begünstigte das Fest. Alle Straßen waren mit Blumen bestreut, alle Bazars mit Teppichen ausgelegt, die Häuser aller Wohlhabenderen mit kostbaren Stoffen behangen;
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 39. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/47&oldid=- (Version vom 10.11.2025)