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sind, und nur bei ganz besonderen Veranlassungen, wie Kindtaufen, Hochzeiten u. dgl., finden auch eigene Frauengesellschaften Statt, die man nur draußen durch’s Fenster zu sehen Gelegenheit hat. Es sitzen mit untergeschlagenen Beinen dann 30–40 auf einem das ganze Zimmer ausmessenden Teppiche umher, meist stumm und regungslos; den Wachsfiguren gleich, bis endlich eine nach der andern den als Armband getragenen Rosenkranz löst und in Ermangelung besseren Zeitvertreibes dessen Perlen langsam die seidenen Fäden herabgleiten läßt. Eine mit Süßigkeiten jeder Art beladene Tischplatte steht in der Mitte des Kreises und fordert zu gelegentlichem Nippen auf, oder ein Mährchen ertönt aus dem Munde einer älteren Dame, dem Alle so gespannt lauschen, daß sie das Spielen mit der Tschotka oder dem Rosenkranz darüber vergessen. Dies ist’s, worauf sich Alles beschränkt; nie aber kommt eine lebendige Unterhaltung unter diesen mit kostbaren Stoffen behangenen Schönen zu Stande, die auch ein derartiges Bedürfniß durchaus nicht zu fühlen scheinen. Dagegen ist es bei den Männern im andern Zimmer um so lauter und bewegter, da dort das Trinken die Hauptsache ist, worin es dem Armenier fast Niemand gleich thun möchte. Nur wo europäische Sitte in einzelnen armenischen oder georgischen Häusern schon hie und da gemischte Gesellschaften hervorgerufen hat, sind auch die Trinkgelage mäßiger geworden, wogegen die Unterhaltung gewonnen hat. In einem solchen Hause, das zu den besten und wohnlichsten der Stadt gehörte, war mir’s vergönnt, einer vorwiegend aus Armeniern und Georgiern bestehenden Hochzeitsgesellschaft anzugehören, bei der die Frauen sämmtlich in ihrer Nationaltracht erschienen, während auch unter den Männern nur wenige schwarze Fracks und Uniformen zu sehen waren. Eine Unterhaltung mit den rings an den Wänden auf Divans herumsitzenden Frauen, mit Ausnahme einiger Jüngeren, welche, in der adeligen Pension von Tiflis erzogen, nicht allein russisch, sondern auch französisch sprechen gelernt haben, ist auch hier kaum möglich; der Tanz nimmt fast die ganze Aufmerksamkeit der Damen in Anspruch, dazu die Lieder der vier Sänger, die abwechselnd zum Ruhme des Brautpaares, des Hauses und der Gäste sich hören lassen, und unter denen ein alter Blinder als Stegreifsdichter vorzüglichen Beifall erntete. Die Herren spielen Schach oder Lotto im Nebenzimmer; die Diener tragen ausgewählte Leckereien, insonderheit Backwerk, herum, damit die Zeit vergehe bis zur zwölften Stunde. Dann geht der Zug zur Kirche bei nächtlicher Weile, wie es die Sitte will. Im altehrwürdigen Dome drängt sich nun Kopf an Kopf, das weibliche Geschlecht durch eiserne Gitter vom männlichen streng geschieden nach altem Kirchenbrauch, und es beginnt die Einsegnung zunächst des Trauringes, der unter der Aufforderung des Diakonus: „Nun lasset uns beten zu dem Herrn des Friedens“ auf einen Teller gelegt und dann vom Priester singend eingesegnet wird unter dem Schwingen des Weihrauchfasses. Lieder aus dem armenischen Gesangbuche wechseln mit Stellen der Schrift und Gebet, bis endlich die Ceremonie vollendet ist und nun der Ring der Braut gegeben wird. Dann folgt unter gleicher Weitschweifigkeit die Einsegnung „des Kleides der Krone“, das dem Bräutigam vor dem Altare angethan wird, während die Braut in einem besonderen