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DCCLXVI. Das Moselthal.




Die deutschen Fürsten der Kirche waren keine Thoren. Wo sie ihren Krummstab hingesteckt, da war gewiß gut wohnen. Unsere schönsten Länder, die eigentlichen Weinländer namentlich, waren ihnen unterworfen. Am Mittelrhein stießen Würzburg, Kurmainz und Kurtrier zusammen, und in deren Gebiet fielen die köstlichsten Rebgelände. Der Winzer war damals ein beneideter Mann, denn er spekulirte auf die Schwelgerei der unzähligen deutschen Fürsten, Grafen und Edlen, der Aebte und Prälaten, und auf die Kehlen der behäbigen, mannhaften Handwerker und Kaufherren der Städte. Die Feinschmecker bezahlten vor 300 Jahren die guten Jahrgänge und Lagen, in Rücksicht auf den Werth des Geldes, zu jenen Zeiten weit theurer, als gegenwärtig, und auch ein geringeres Gewächs und ein schlechterer Jahrgang hatte noch einen lohnenden Preis. Das ist jetzt anders. Die geistlichen Fürstenthümer sind verschwunden, statt den Krummstab sieht man die Wappenschilder mit allerhand Bestien, den Löwen, Wölfen und Greifen, den Adlern und den Geiern der ungeistlichen Fürsten und Könige, und mit dem neuen Regiment sind neue Abgaben, Plagen und Quälereien gekommen. Die einst so beneideten und gesegneten Weinländer herbergen ein armes, herabgekommenes Volk, das den Getreidebauer glücklich preist, und unter dem Mißverhältnisse der guten Weinlesen zu den schlechten und des veränderten Geschmacks, welcher einen Trunk guten Bieres einem Becher sauren Weines vorzieht, darbt und verdirbt. Wenn man noch vor hundert Jahren der Möglichkeit gedacht hätte, die Rheingauer, die Bewohner des Moselthales, die Winzer im Maingrund würden schaarenweise in die Wildnisse Amerika’s auswandern, um zu versuchen leichteren Herzens ihr Brodkorn auf dem frisch gerodeten Boden zu erbauen, man hätte einen solchen Propheten in’s Narrenhaus verwiesen. Und doch ist es so; schaarenweise verläßt jetzt der Winzer seine alte liebe Heimath, – Obstgelände treten an die Stelle der Rebengelände und selbst in der Nähe des Johannisbergs hat das schmutzige Kartoffelkraut auf Feldern, die ehemals dem Weinbau ausschließlich gehörten, die Rebe verdrängt. Um leben zu können, muß jetzt der Winzer Mehrerlei treiben: ein Gewerbe oder ein Händelchen und dazu mehr oder weniger Ackerbau. Bei dieser getheilten Wirthschaft mit zersplitterten Kräften kann freilich auch nur wenig Segen kommen. –

Unter den deutschen Weinländern ist das Moselthal und die Pfalz am besten dran.