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Man kann das Moselthal[1] von Trier bis Koblenz als einen sehr schmalen Landstreifen betrachten, der – die Krümmungen des Flusses nicht mit eingerechnet – etwa 13 Meilen lang und dabei im Durchschnitt von der einen Thaluferhöhe zur anderen, soweit zu beiden Seiten der Weinbau geht, etwa eine Meile breit ist. Das Ganze hat also einen Flächenraum von 13 Quadratmeilen. Auf diesem Streifen gibt es wenigstens 200 menschliche Wohnorte, Städte, Flecken, Dörfer, Weiler, Schlösser, Klöster, deren Gesammtbevölkerung (Koblenz und Trier eingerechnet) man wohl auf 130,000 Menschen anschlagen kann. Demnach kommen hier auf jede Quadratmeile etwa 10,000 Seelen, eine Bevölkerungsdichtigkeit, wie man sie zu beiden Seiten des bezeichneten Striches weit und breit nicht findet.

Der Rhein von Bingen bis Bonn durchbricht das rheinische Schiefergebirge in einer Richtung, welche mit den Schichten dieses Gebirges parallel geht, oder in einem sogenannten Längenthale. Sein Thal und Lauf find in Folge dessen ziemlich gerade gerichtet. Die Mosel dagegen durchbricht die Schichten dieses Gebirges von der Seite her oder der Quere nach in einem sogenannten Querthale. Ihr Lauf ist daher wie der Lauf aller in Querthälern strömenden Flüsse sehr vielfach gewunden. – Die Krümmungen des Flusses sind in der That so groß, daß, obschon die direkte Entfernung von Trier nach Koblenz nur 13 Meilen ist, sich dieselbe bei einer Messung längs der Ufer des Flusses fast verdoppelt. Es scheint zuweilen, als wolle er wie eine Schlange, die sich in den Schwanz beißt, wieder zu seiner Quelle zurück. Vermittelst dieser Krümmungen schneidet er aus dem Festlandkörper eine Menge von Halbinseln von sehr mannigfaltigen Figuren heraus, auf denen man, wenn man sie zu Fuße durchkreuzt, sehr schnell von einem oberen Flußpunkte zu einem anderen gelangen kann, während man auf dem Flusse selbst oft sechs Mal größere Umwege machen muß.

Daß in Folge dieser Krümmungen die Scenerie am Flusse, wie an einem vielgewundenen Bergpfade, mannigfaltiger werden muß, leuchtet Jedem ein. Der Fluß wird dadurch gleichsam in eine Menge Stücke zerschnitten. Oft ist der Abschnitt so klein und sind die Enden desselben hinter Bergen so versteckt, daß man bei einer Wendung glaubt, man sey in einen Sack gerathen, man befinde sich auf einem kleinen, einsamen Bergsee, fern und abgelegen von aller Welt, bis dann auf einmal bei einer neuen Wendung der Zusammenhang mit der übrigen Welt sich wieder herstellt. – In dem inneren Busen jener Krümmungen ist der Fluß gewöhnlich mit voller Gewalt gegen die Felsen gestürzt, welche ihn zur Umkehr zwangen, und hat sie angenagt. Sein Bett ist hier daher tief ausgehöhlt, die Thalwände sind schroff und steil abgeschliffen, während die gegenüberliegende Halbinsel, von welcher sich der Fluß zurückzog, niedriger und flacher ist, mit gelinde absteigenden Uferlanden gegen den Fluß ausläuft und oft den fruchtbarsten Wiesenboden rings um sich herum angesetzt hat. Es bieten sich in Folge dessen auf beiden Uferseiten der Krümmungen


  1. Nach Kohls Schilderung.