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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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immer die reizendsten Gegensätze dar; auf der einen hochaufgetempelte und vielfach terrassirte Felsengelände, von oben bis unten entweder mit dunkler Buschwaldung oder mit zahllosen Weingärtchen besetzt, dann und wann auf einem besonders schroffen Vorsprunge eine alte Burgruine und auf der anderen Seite die flachere Halbinsel mit weidendem Vieh, mit kleinen Aeckern und rings am Saume des niedrigen Flußufers die Flecken oder Dörfer.
Ohne diese Flußkrümmungen würde sich der ganze Anbau des Thales einförmig darstellen. Wald-, Wiesen-, Ackerbau und Viehzucht auf der einen nach Norden gerichteten Seite, Garten-, Gemüse-, Obst- und Weinbau auf der anderen. Jene Windungen bewirken nun aber eine äußerst mannigfaltige Stellung der Ufergelände zur Sonne und bringen fast jeden kleinen Abschnitt des Flusses und Thales in andere klimatische Verhältnisse. Hier ist ein kleiner, eine oder zwei Stunden langer Busen, dessen Abhänge ganz nach Süden gekehrt sind, in dessen Felsgeklüfte die Sonnenstrahlen heiß reflektirend zusammenschießen, und der für den Wärme verlangenden Wein ganz vorzüglich gelegen ist. An diesen Abhängen ist dann jedes Fleckchen für den Weinbau in Anspruch genommen und mit Reben besetzt. Bald ist ein solcher Busen auf der rechten Seite des Flusses, bald, wenn dieser eine seiner kapriciösen Windungen ausführte, wieder auf der linken. Solche ganz dem Süden zugekehrte Busen erzeugen dann die schönsten Weine, und hier strebt Jeder ein kleines Gebiet zu gewinnen. Es gibt andere Felsenwände, die mehr nach Südosten oder Osten, oder nach Südwesten und Westen gerichtet sind, und welche die Strahlen der Sonne im Laufe des Jahres unter sehr mannigfaltigen Winkeln empfangen. Sie erzeugen die mittleren Weinsorten. Endlich gibt es auch Abhänge, die ganz dem Süden abgekehrt und geradewegs dem Nordpol zugewendet sind. Diese liegen entweder ganz oder doch einen großen Theil des Tages und Jahres im Schatten. Sie sind kalt und dem Weinbaue unzugänglich. An solchen nördlich gerichteten Abhängen findet man fast nur die Produkte, die Kulturen und die Vegetation des Hundsrücks und der hohen Eifel. Sie sind mit den sogenannten „Lohhecken“ oder „Rodehecken“ bedeckt, d. h. mit niedrigem Eichengebüsch, das die Moselaner, wie die Hundsrückbewohner schälen, um die Rinde an die Lohgerber zu verhandeln. Fünfzehn Jahre lassen sie die Gebüsche wachsen, dann hauen sie sie um, benutzen das gewonnene Holz zu Stäben etc. bei ihrem Weinbaue und verbrennen den Rest, indem aus der Asche und aus den alten Wurzelstöcken die Zweige dann wieder um so kräftiger hervortreiben. Die Lohe oder Eichenrinde dieser Gegenden wird weit und breit verschifft, und die Lohe- oder Rodehecken des Moselthales bilden daher einen nicht unwichtigen Zweig der Landwirthschaft der Thalbewohner. Manche Dörfer lösen jährlich für 20,000–30,000 Thaler an Lohe und Holz aus ihren Rodehecken. – Jeder Weingartenbesitzer muß nun auch ein wenig Wiese und Graswuchs für sein Vieh haben, wo möglich auch etwas Acker und Garten oder Waldland, und da er beides immer auf den beiden entgegengesetzten Seiten des Thales zu suchen hat, so muß er daher auch auf beiden Seiten des Flusses besitzlich werden. Daher ist auch in jeder Wirthschaft ein Nachen fast so nöthig wie anderswo
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 54. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/62&oldid=- (Version vom 4.2.2026)