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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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ein Wagen, um bei der Ernte die Trauben, oder das Heu, oder die Lohe, oder das Getreide hinüber- oder herüber zu transportiren.
Die vielen mäandrischen Windungen der Mosel sind endlich, in Verbindung mit der felsigen und gebirgigen Beschaffenheit der benachbarten Felsufer, mit der Schroffheit, Unzugänglichkeit und Zerrissenheit der beiden Flußseiten, die Veranlassung zu einer Eigenthümlichkeit, die auf den Charakter der Mosellande, sowie auf ihre Schicksale einen mächtigen Einfluß geübt hat. Das Moselthal ist ohne Chausséen und Heerstraße. Die letztere zieht 3–4 Stunden neben dem Flußthal über den Hundsrück hin. Diese Hochstraße konnte nämlich auf dem Gebirgskamme viel gerader laufen als in der Thalrinne und ließ sich auch mit weniger Kosten herstellen. Auf ihr bewegen sich in der Regel die Heere, die Reisenden, die Waarenzüge zum Rheine. Das Moselthal selbst ist nie Völkerpassage, ein Handelskanal, ein Theater der Völkerschlachten und Kämpfe gewesen. Der Charakter seiner Bewohner hat dabei nichts verloren.
Es gibt keine Gegend in ganz Deutschland, welche durch den Weinbau einen solchen Reiz wie im Moselthale erhielt, auch keine, wo er zu so großartigen Anstrengungen und Arbeiten Veranlassung gibt, wie hier. In den Ebenen der Lombardei sieht ein Weingarten aus wie der andere. Am Rhein auch hat man sich oft beklagt, daß die unabsehbaren Weingelände, die stets sich wiederholenden Querstriche und einförmigen Schattirungen der, wie die Soldaten in ihren Kompagnien, aufgesteckten, gleich hohen, gleich weit auseinander stehenden Rebstöcke dem Malerischen der Landschaft großen Eintrag thun. An der Mosel kann man eine ähnliche Klage nicht führen. Denn abgesehen davon, daß die Weingelände von Waldpartien, von Wiesenland etc. unterbrochen werden und sich dann und wann einmal höchstens eine ober anderthalb Stunden weit in ununterbrochener Masse forterstrecken, so bieten sie auch schon in sich selbst eine ganz außerordentliche und überraschende Mannigfaltigkeit der Gruppirungen und landschaftlichen Scenen dar. Die Bergabhänge, an denen sie liegen, sind viel höher als am Rhein oder an irgend einem anderen deutschen Flusse und auch viel bunter gestaltet. Da gehen Stufen über Stufen, Terrassen über Terrassen hinaus, und selbst die höchsten, zum Himmelsdome emporgethürmten Felsspitzen tragen noch Reben und erscheinen wie Himmelstische, auf denen Trauben servirt sind. Die Bergpfade, welche vom Ufer des Flusses zu diesen hochgelegenen Terrassen hinaufführen, erfordern oft über eine Stunde mühsamen Ansteigens, und wenn ich die Leute von daher mit den Trauben herunterkommen sah, gedachte ich der Senner und Aelpler in der Schweiz, welche ihre Milch kaum weiter herabholen als diese Winzer der Mosel ihre Traubenbutten. – Wenn man bedenkt, daß auch die Erde und der Dünger, in denen die Stöcke wachsen sollen, vom Fluß aus eben so hoch in die Felsenwelt hinaufgeschafft werden müssen, so erscheint Einem die Kühnheit dieser Weingärtner wahrhaft erstaunenswerth. Sie legen die Wurzeln ihrer Rebenstöcke auf Felsspitzen, auf denen es nur dem Adler bestimmt zu seyn schien,
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/63&oldid=- (Version vom 10.11.2025)