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seine Eier in’s Nest zu legen, und sie trotzen da dem unwirthbaren Gestein noch süße, goldene Früchte ab, wo die Natur kaum für Heidelbeeren, Schlehdornen und anderes Gestrüpp ein Plätzchen bereitet zu haben scheint. – Einmal zählte ich nicht weniger als 30 „Chöre“, eines über dem anderen, von denen sich die äußersten in die Wolken verlieren zu wollen schienen. „Chöre“ nennt man nämlich hier die verschiedenen mit Reben besetzten Stufen oder Terrassen eines Weinbergs.

Diese Chöre sind auf die mannigfaltigste Weise angelegt, gerichtet und geformt, je nach der Gestaltung des Bodenterrains und je nach der Laune oder den Ansichten der Besitzer. Fast jeder Besitzer hat bei der Anlage und Kultur seiner Weinberge sein eigenes System. Man mußte sehr mannigfaltige Anstalten treffen, vielfache, oft kostspielige Bauten unternehmen, um so viel flach geneigtes Terrain zu gewinnen, auf dem etwas Erde und die Wurzeln der Pflanzen haften könnten. Zuweilen sind die Felsenköpfe durch hochschwebende Brücken mit der Hauptmasse verbunden, damit man das schmale Terrain, das die Scheitel der Felsen darbieten, noch zum Weinbau benutzen konnte. Ueberall sieht man Gewölbe auf langen, hoch emporragenden Pfeilern gebaut, auf deren Decke dann das Chor oder der Weingarten geordnet wurde. Auf solchen Gewölben wird hier an hundert Stellen der Weinstock, wie durch Aquäducte das Wasser, an den steilen Felsen herumgeführt, damit er das warme Sonnenlicht einsauge, das an ihren Wänden zurückprallt. Einst hat man die hängenden Gärten der Semiramis bewundert. Aber wenn man in Gedanken Alles zusammensummirt, was im Laufe der Zeiten die Weinbauer hier im Moselthale an hängenden Gärten geschaffen haben, so kommt dabei gewiß ein viel größeres Wunderwerk der Welt heraus. Die meisten dieser Weinberge sind wahrhafte Labyrinthe von natürlichen Felsen und von übereinander getempelten Brücken, Pfeilern, Gewölben und Terrassen, an denen die Geschlechter der Moselanwohner seit des Ausonius Zeiten emsig bauten und schafften, wie die Bienen an ihrem Wachszellengewebe. So ein Moselweinbergsgelände kommt Einem oft vor wie ein gigantisches Spitzenklöppelwerk aus Stein, und es steckt gewiß mehr Arbeit und Mauerwerk darin als in einem Kölner Dombau.

Au der Mosel erkennt man erst recht, welche unsägliche Mühe dies edle Erzeugniß dem Menschen macht, das die Dichter schlankweg ein Geschenk des Bacchus zu nennen pflegen, das sie aber besser als ein mühsames Produkt vielfachen Menschenfleißes und Schweißes bezeichnen könnten. In Griechenland mag es anders seyn, aber in Deutschland ist von einem Schenken des Bacchus nicht viel zu reden; ein Stückchen Fels und ein Wurzelknollen, das ist die ganze Gabe. Daß der Knollen treibt und süße Früchte bringt, daß diese Früchte nicht nur einen genießbaren, sondern auch einen die Seele des Weinkenners entzückenden und den Geist des Dichters berauschenden Saft geben, das Alles ist ein Ergebniß der mühsamsten Kultur und des eisernen Fleißes. Den ganzen Winter über muß der Bacchuspriester, ich meine den Winzer, an der Mosel „schiefern“, d. h. er muß die Schiefersteine aus den Felsen hervorkratzen,