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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Ich hatte Freunde besucht, Landsleute, die auf dem Bluff des Mississippi, oberhalb der Einmündung des St. Croix, eine Farm bewohnen, und wartete auf das Dampfboot, welches Abends von Dubuque heraufkommt und mich nach St. Pauls mitnehmen sollte. Die Männer hatten mich zum Fluß hinab begleitet und eine alte Schwarzhaut aus dem benachbarten Missouri hatte an einer offenen Stelle des Ufers eine lodernde Kienfackel hinausgesteckt, das gewohnte Nachtsignal zum Anrufen der passirenden Dampfboote, und so standen wir noch, in der lauen sternhellen Sommernacht und plauderten von dem, was uns eben zunächst lag: – von meinem Gehen und ihrem Bleiben. Das Gesicht eines Freundes aus der Heimath ist eine gar seltene Erscheinung in den Niederlassungen am oberen Mississippi und ein Besuch ist ihr einziges Fest; denn dort hat das Jahr 365 harte Werkeltage.
„Wie gern zöge ich doch mit euch“, sagte der Eine, „wie ist’s doch in unserem Schwabenlande viel tausendmal schöner als hier!“ „Ja wahrlich“, stimmte der Andere ein, „wie gern tauschten wir wieder die alte Heimath gegen die neue, eine Heimath voll Arbeit und Entbehrung, voll Fieber und Mühsal, voll Selbstsucht und Heuchelei, voll Enttäuschung und entsetzlicher Geistesöde“. – „Aber“, fuhr ich mit Wärme fort, „eine Heimath voll Freiheit und Männerstolz, voll Kühnheit und Unternehmungskraft, voll Wohlstand und Bürgerglück, eine Heimath der Größe und Zukunft. Ihr schlagt’s in eurer Rechnung zu gering an, daß euch der Hut auf den Kopf gewachsen ist und der Nacken verlernt hat, sich zu beugen, – daß ihr Freiherren seyd auf eurem Grund und Boden und Fürsten in eurem Blockhause. Sind euch die Menschen, unter denen ihr lebt, mit ihren trotzigen Gesichtern und stets thatbereiten Armen nicht lieber, als daheim die Automatenpuppen mit den menschlichen Larven? Wollt ihr lieber die bunten Livreen und Uniformen, als das selbstgewobene grobe Gewand; lieber die Excellenzen, Titel und Orden, als den Gentleman; lieber die feinen beringten Finger, die beständig in euren Taschen suchen, als die schwielige Hand, die sich euch zum Gruß entgegenstreckt? Athmet ihr lieber die dumpfe Luft der Antichambres und Beamtenstuben, als den freien Zugwind auf eurem Bluff? Wollt ihr, frag’ ich, lieber regiert seyn, als euch selbst regieren? Die Antwort schenk’ ich euch, und
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 61. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/69&oldid=- (Version vom 11.11.2025)