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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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verstanden haben! „Vorwärts!“ ist ja die Losung im Feldlager des großen Zeitkampfes, das Paßwort zu allen Geheimnissen und Wundern jener riesenhaften Entwickelung, das A und Z in den Glaubensartikeln der neuen Welt; wer das Go ahead nicht versteht, soll sich nicht unter die Sturmkolonnen dieser modernen Titanen wagen, denn rücksichtslos schreiten ihre Sohlen über den Fallenden und wer einmal am Boden liegt, dem reicht sich keine theilnehmende, helfende Hand. „Help yourself!“ ist die Antwort, wenn die Hände um Mitleid ringen. Wer es nicht begreift, bleibe ja daheim und lasse sich am Schlepptau seiner hochgeborenen Vormünder durch’s Leben ziehen.
Das Boot trieb schon in der Mitte des Flusses. Nachdem es sein Fahrwasser wieder gewonnen hatte, fingen die Essen an, dicke schwarze Rauch-Parallelen in die Nachtluft zu zeichnen, in immer kürzeren Stößen pusteten die Dampfrohre, immer rascher knatterten die einschlagenden Schaufeln der Räder, und mit wildem Ungestüm brauste unsere „Arche Noah“ stromaufwärts. Die Ufer hatten sich zu beiden Seiten so weit zurückgezogen, daß sie, nur noch zwei dunkle Streifen, den Horizont begrenzten. Es ging, obgleich es nahe Mitternacht war, noch laut und hoch her im Dampfer. Ich stieg auf Deck, einige Augenblicke wurde der neue Ankömmling der Neugierde gewürdigt, den nächsten hatten sich die hunderterlei Gesichter, die einen enttäuscht, die anderen gleichgültig, wieder hundert anderen Gegenständen zugewendet. Ich ließ nun meinerseits die Gesellschaft Revue passiren, so bunt zusammengewürfelt, wie sie ein Mississippi-Boot eben aufzuweisen hat. Um eine Gruppe junger Frauen, die sich vor dem Geräusch der Maschine nach dem Hinteren Theil des Hurrikan-Decks zurückgezogen hatten, standen, saßen und lagerten eine Schaar Männer und lauschten den dünnen Stimmchen, die sich in den fashionabelsten Weisen mit den monotonen Akkorden einer Guitarre mischten. Die Mädchen waren wohl Farmertöchter, lauter feine Gesichtchen und zierlich geputzt, wie Schmetterlinge. Sie schienen sehr heimisch auf der Arche Noah und thaten keck und kirr, mit den leichten Manieren von Damen der großen Welt; und doch waren sie vielleicht nie weiter über ihre Wälder und Blockhäuser hinausgekommen, als auf einer Fahrt nach Alton oder Dubuque. Die Männer trugen allerhand Kleid, vom Frack nach Newyorker Schnitt bis zur härenen Decke des Büffeljägers und Holzschlägers: – Kreolen mit dem schönen Typus des Spaniers und der galanten Art des Franzosen, der lange steife Yankee mit den verschmitzten Augen in seinem faltigen Pergamentgesicht und dem scharfen Witz auf den gekniffenen Lippen, der heißblütige Texaner mit dem rauflustigen, herausfordernden Blick, und der Mann aus dem fernen Westen, eine Bildsäule unbeweglichen Ernstes, der starren Entschlossenheit und Kraft; der „Reverend“ und der Flibustier; der ehrwürdige Judge und der listige Gauner; der Grogtrinker und der Wasserapostel: – jeder aber kramte in der Gesellschaft der Frauen seinen Gentleman aus, jeder brachte sein Bestes dem schönen Geschlecht zum pflichtigen Tribut, alle umgaben die kleine Gruppe mit ihrer Verehrung, ihrem Anstand und stets bereitem Schutz. Das ist auch unter den Früchten der Freiheit nicht die geringste, dieser Kultus der Frauen; es gehören aber auch Amerika’s Frauen dazu, einen so mächtigen
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/71&oldid=- (Version vom 11.11.2025)