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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Nicht der Osten der alten Welt allein, auch der Westen der neuen birgt Ruinen eines alten Kulturlebens. Es ist durch vielfache Wandlungen gegangen. Es hat seine Phasen der Blüthe und des Untergangs gehabt, die , wie der Geolog die Kulturepochen der Erdrinde aus der Lagerungsfolge der zerstörten Schichten erkennt, der Geschichtsschreiber zu erforschen sucht, bis er an die Zeit kommt, da die spanische Eroberung neue Elemente herführte, welche seitdem der Boden aller Lebenserscheinungen geblieben sind. In den Arbeiten und Urtheilen der Archäologen und Antiquare, für die das Land noch große wissenschaftliche Ausbeute verspricht und die auch in neuester Zeit besonders eifrig sich mit den altmexikanischen Monumenten, Sprachüberresten, Bildwerken und Inschriften beschäftigen, ist jedoch an Klarheit noch nicht zu denken. Der Konjekturen über Urheber und Zweck jener stummen Zeugen der Sagenzeiten des Westens sind viele und die Ansichten darüber liegen so ordnungslos und fragmentarisch durch einander, wie die alten Bautrümmer selbst. Es kann dies nicht befremden. Ein Forscher vorgeschichtlicher Zeiten kann seine Stoffe nicht mit Hammer und Lupe zergliedern und sichten, wie der Geologe die Gesteine nach ihren Formationen. Was wir wissen vom alten Mexiko und seinen Bewohnern, ist im Vergleich zu Dem, was die hinterlassenen Spuren seiner Lebensthätigkeit uns zu rathen geben, so viel wie das ABC in der Schule; die größten Gelehrten sind da noch am Buchstabiren.
Der Reisende aus den östlichen Staaten Nordamerika’s, wenn er, von Independence aus, mit einem californischen Auswanderungszug, oder einer mexikanischen Handelskaravane die bekannte Santa-Fé-Route einschlägt, betritt, nach der tristen Passage einer vegetations- und wasserarmen Wüste, deren Gefahren so groß sind als ihre Mühsale, eine neue Welt. So wie er den Fuß in das Stromgebiet des Rio Colorado setzt, verwandelt sich die Scenerie gänzlich und die ihn umgebenden Lebens- und Landschaftsbilder regen ihn ebenso gewaltig an, als den Europäer, der eine erste Reise nach den heiligen Orten von Mekka macht, oder durch die Nubische Wüste das Nilthal erreicht. Das ganze Land, ein unabsehbares Plateau, nur von den gewundenen Linien der Flußbetten und den aufgewühlten Vulkankegeln durchbrochen, zeigt dem Auge auffallende, ungewohnte Scenen, und die großen wunderlichen Ruinenhaufen, die verfallenen Straßen und Wasserleitungen, die Wohnsitze eines halbcivilisirten, ackerbautreibenden und staatlich organisirten Indianervolks, die alten weitläufigen Hacienda’s, die neuen gut gebauten Fortifikationen, dazu die bunte Bevölkerung – Rothhäute, mexikanische Tagediebe und fleißige Amerikaner –
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 74. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/82&oldid=- (Version vom 12.11.2025)