Seite:Meyers Universum 17. Band 1856.djvu/86
| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
|
|
Zunni liegt 240 Meilen westlich von Santa Fé am Rio Pescado, in üppiger, von jährlicher Ueberschwemmung befruchteter Gegend. Die Bevölkerung ist ein mehr als die übrigen civilisirter Indianerstamm von 2000 Seelen, die für ihren Unterhalt ausreichenden Ackerbau und Viehzucht treiben. Mit ihren Nachbarn und der Vereinigten Staaten-Regierung leben sie in gutem Einvernehmen und gelten als freundlich und gastfrei, wenn ein Emigrantenzug oder reisende Kaufleute sich bei ihnen einquartieren.
In der Nähe von Zunni soll von den alten Spaniern bedeutender Gold- und Silber-Bergbau getrieben worden seyn, von dessen reicher Ausbeute die Ueberlieferung noch Wunderdinge fabelt. Wahrscheinlich, wie aus den großen Sandhügeln sich schließen läßt, waren es Goldwäschereien am Fluß, welche die Eroberer des Landes von den getauften Indianern bearbeiten ließen.
Die Ueberreste von Kirchen, Klöstern und Missionen deuten auf einen gewissen Flor des Landes unter der damaligen spanischen Herrschaft, bis, 1680, ein allgemeiner Aufstand der als Sklaven gehaltenen Indianer ihr ein plötzliches Ende machte. Wer spanisches Blut in den Adern hatte, verfiel dem Messer, alle spanischen Etablissements dem Feuer und selbst der Gouverneur der Provinz, der mit seinen Truppen Santa Fé inne hatte, mußte sich, geschlagen, den Fluß hinab bis in die Gegend von El Paso del Norte zurückziehen, wo er bei freundlich gesinnten Indianerstämmen Aufnahme fand und jene Stadt gründete. Spätere Expeditionen von da aus stellten zwar die Oberhoheit der spanischen Krone in der aufrührerischen Provinz wieder her, doch nur dem Namen nach. Die rothhäutigen Insurgenten blieben und sind noch faktisch die Herren des Landes; sie dulden die mexikanischen und in neuester Zeit die nordamerikanischen Niederlassungen nur aus dem Grunde unter sich, weil sie Vortheil aus denselben ziehen. Vorläufig wird dieser Zustand dauern, bis die projektirte Eisenbahn-Verbindung mit der Westküste, welche in drei verschiedenen Linien Neu-Mexiko durchschneidet, die Ansiedelung der Amerikaner massenhaft dahin zieht und eine größere Machtentwickelung der Regierung nothwendig macht. Dann werden die alten Azteken-Städte ihre schöngehauenen Quadern zum Eisenbahnbau hergeben und die armen Rothhäute gezwungen werden, sich neue Hütten zu bauen. Thun sie störrig, so ist’s eine Gnade für sie, wenn man ihnen im Norden der Felsengebirge noch ein fernes Eckchen Land anweist und sie, die erbgesessenen Herren, wie Verbrecher deportirt.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/86&oldid=- (Version vom 12.11.2025)