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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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Die Alluvial-Bildungen an den Betten und Mündungen der großen Ströme sind die Zeitmesser, an denen wir die jüngsten Lebensjahre unserer Erdrinde absehen, das lebendige Experiment, an dem die neptunische Kraft ihre Schöpfungen vor unsern Augen demonstrirt; auch Vulkan hält noch zur Gesellschaft hie und da seine Werkstätten offen, gönnt uns bisweilen einen Blick durch die speienden Feueressen in’s Innere seines Laboratoriums, und läßt uns an der Hand der Wissenschaft das Schmieden der Glieder schauen, welche die zurückgelegten Altersstufen der Erde an die Gegenwart ketten.
Es geht der Geologie wie der Weltgeschichte. Von der Zeit, da das Feuer noch Alleinherrscher auf unserm Planeten war, weiß jene wenig mehr zu erzählen, als von siedenden Kraterbecken, Schlacken-Ruinen und Thaten der Zerstörung. So weiß die alte Geschichte oft auch nichts Besseres zu berichten, als von Kriegen, umgestürzten Thronen und Unthaten abgestorbener Dynastien. Erst als des Feuers jüngerer Nebenbuhler, das Wasser, mit seinem Dunstkreis und der ihm innewohnenden befruchtenden Kraft einen siegreichen Kampf gegen den alten Monarchen bestanden und ihn dem Erdkern näher, nach dem Innern seiner Veste zurück gedrängt hatte, erst als die Keime organischen Lebens über die Erdoberfläche gesäet waren, entwickelte sich eine mannichfaltige Blüthe selbstständigen Daseyns, wie in der Geschichte der zum Selbstbewußtseyn und eigener Thätigkeit erwachten Völker. Seitdem dauert der Kampf des Feuers und Wassers beständig fort. Ganze Reiche der organischen und animalischen Welt gehen unter in Revolutionen, wie es ganzen Gruppen der Menschenschöpfung auch ergangen; aber das Princip des Schaffens im Reiche des Lebens ist nicht mehr zu vernichten. Es äußert seine Kraft in immer höher entwickelten, edleren Bildungen, wie sie der Geist eines unaufhaltsamen Fortschritts auch an den Geschicken unseres eigenen Geschlechts zeigt, sollte er auch über Brandstätten und Leichenhaufen schreiten müssen. Es ist ein unsterblicher Geist, eine ewige Kraft, ein unabänderliches Gesetz – nennt’s, wie ihr wollt; – aber es ist ein durch alle Erscheinungen physischen und geistigen Lebens sich consequent bleibendes Element, welches aus jeglichem Tod ein vollkommeneres Leben erweckt.
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/89&oldid=- (Version vom 12.11.2025)