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Der Leser weiß, daß unsere Stein- und Braunkohlen-Flötze die Grabstätten alter Kulturepochen sind, in der die balsamirten Riesenleichen einer unbegreiflich üppigen Vegetation eingebettet liegen. Hat er Lust, die Diener des Neptun, die großen Ströme, welche ihre Rinnsale durch die Gebirge, die Wälder, die Prärien unserer Erdrinde brechen, in ihrem Erb-Todtengräberamt zu beobachten, so begleite er uns nach dem Delta und der Thalebene des Mississippi.

Was hat er da zu schauen? Ein Riesenwerk von 100 Jahrtausenden unablässiger Thätigkeit. Es ist die Anschwemmung, welche vom mexikanischen Golf bis herauf nach Kap Girardeau reicht und über 30,000 englische Quadratmeilen Flächenraum deckt. Diese ganze Landschaft besteht aus Morästen mit üppigem Baumwuchs, zerstreuten Seen und verlassenen Flußschlingen, die sich allmählig mit den vegetabilischen Stoffen, welche der Strom mit sich führt, anfüllten, während bei seinen Überschwemmungen an den äußeren Rändern derselben die dichten Binsenmatten, Rohre und Schilfe die eintretenden Wasser filtrirten und den schweren, mit erdigen Substanzen vermischten Niederschlag absetzen. In das tiefere Wasser der Niederungen, wo kein Wald wachsen kann, flößt der Strom die Baumstämme aus dem Oberlande herab. Sie betten sich in die Ablagerung von Blättern und zersetzten Pflanzen, welche üppig um den Rand der Moräste wachsen. Zu Grunde jener Cypressen-Marschen lagert sich aus den erdigen Beimengungen des Wassers eine zähe Thonschicht ab, in welches die Wurzeln der Bäume sich ausbreiten; eine unverkennbare Analogie mit den Schieferthonen der älteren Steinkohlenflötze. Von Zeit zu Zeit verursacht eine nie rastende vulkanische Thätigkeit Senkungen an der Oberfläche, wie das „gesunkene Land“ in der Nähe von New-Madrid durch das Erdbeben von 1812 entstanden ist. Dadurch tauchen die bewachsenen Waldflächen unter das Niveau des Wassers, welches die unteren Theile der aufrecht stehenden Bäume mit Sand und Schlamm umhüllt, die oberen Theile zersetzt und so fossile Wälder bildet; oder der Fluß nimmt seinen gestörten Lauf über die gesunkenen und seit Tausenden von Jahren mit vegetabilischen Ueberresten angefüllten Moräste und schwemmt sie mit Flußsand an, gerade, wie wir in den Kohlenbecken den Sandstein oft unmittelbar auf dem Kohlenflötz aufgelagert finden. Wenn mehre solcher Senkungen Statt haben, so müssen selbstverständlich Schichten wechseln, wie wir dies in der Steinkohlenformation so häufig antreffen. Bei Ausgrabungen in Louisiana hat man umgestürzte Baumstämme in Thon eingebettet gefunden, die 2000 Jahrringe zählten und unmittelbar darüber eine jüngere Vegetation von Bäumen, die ein Alter von 800 Jahren nachweisen; die in noch höheren Schichten folgenden Generationen zeigten ebenfalls hohe Lebensalter. Bei New-Orleans hat man zehn verschiedene über einander steigende Staffeln von Baum-Vegetation angetroffen, die zusammen eine Bildungsdauer von wenigstens 10,000 Jahren ergaben, seit der erste Baum in jenem Becken keimte. Ein langer Zeitraum! und doch nur ein kleiner Bruchtheil desjenigen, welchen wir der Thätigkeit des Mississippi zugestehen müssen, wenn wir die Zeit berechnen, welche die Konstruktion