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| Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band | |
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des Delta, vom Boden des mexikanischen Golfs auf bis zu seiner jetzigen Höhe und Ausdehnung gekostet hat. Beobachtungen haben gezeigt, daß durchschnittlich 3000 Pfund Mississippi-Wasser ein Pfund feste Stoffe mit sich führen und Bohrversuche am See Pontchartrain, an der Spitze des Delta, hatten mit 600 Fuß Tiefe noch nicht einmal den Alluvialschlamm durchsunken. Da nun die jährlich herabgefluthete Masse, bei normaler Schnelligkeit und Mächtigkeit des Stromes, an 4 Milliarden Kubikfuß beträgt, so hat er zur Bildung des 13,600 Quadratmeilen großen Delta’s allein 167,000 Jahre gebraucht, und nimmt man die Alluvialmasse der oberen Thalebene zur Hälfte jener Mächtigkeit an, und ihre Ausdehnung auf nicht mehr als die des Delta’s selbst, obgleich sie in der That viel größer ist, so berechnet sich die Land machende Thätigkeit des „Vaters der Ströme“ auf 300,000 Jahre. Zu kurz ist diese Rechnung dennoch, denn einen großen Theil des fein zertheilten und leichten Sediments nimmt der Fluß mit hinaus in den Golf, wo es, von der Meerströmung erfaßt, bis nach den Bänken von Neufundland fortgeführt wird.
Die hier berechnete schöpferische Kraft eines der Hauptströme der Erde ist doch nur noch ein Anfang ihres Wirkens. Es ist wahrscheinlich, daß der Mississippi noch Millionen Jahre fortfährt, aus allen Theilen des nördlichen Kontinents Materialien zu seinen Bauten im mexikanischen Golf zusammenzutragen und einen Damm nach der südamerikanischen Halbinsel zu legen. Und in der Lebenszeit des Kontinents füllt auch diese Arbeit nur einen kurzen Abschnitt aus, wenn wir bedenken, daß die Bluffs, die jetzt die Grenze der großen Alluvial-Ebene darstellen, selbst nur eine Süßwasserbildung sind mit Ueberresten einer ausgestorbenen Thierwelt, und sie einem Alter angehören, in dem der Lauf der Flüsse und die Gestalt des Welttheils unendlich fern von unserer jetzigen Vorstellung liegen. Am Ohio hat man alte Seeküsten aufgefunden, deren Wände von Eis polirt sind und die geognostischen Vorkommnisse in Arkansas beweisen, daß der Red-River vormals an einer ganz entgegengesetzten, jetzt wasserlosen Gegend seine Anschwemmungen rother Erde vollbracht hat und seine Vereinigung mit dem Mississippi jüngeren Datums seyn muß. Betrachten wir noch die unermeßlichen Steinkohlenbecken und die älteren fossilen Umbildungen organischen Lebens am Missouri, so gerathen wir auf Zeiträume, für die uns die Ziffern ausgehen und das Maß der eigenen Begriffe nicht mehr ausreicht. Und doch sind sie nur Pulsschläge im vergänglichen Daseyn des Planeten – Momente des Erdenlebens.
Das Bauwerk des Mississippi ist zu einer Frage der höchsten volkswirthschaftlichen Bedeutung geworden. Seit den riesenhaften Fortschritten, welche die Entwickelung seiner Uferstaaten nimmt und seitdem sich der Schwerpunkt der nationalen Interessen, Ackerbau, Handel, Politik und Bevölkerungszahl, mehr und mehr dem Binnenlande zuwendet, dessen Verkehrsstraße der Mississippi selbst bildet, und dessen Emporium die Stadt New-Orleans ist, dieses Alexandrien der neuen Welt, – sind die Hauptmündungen des Mississippi das eigentliche Thor
Joseph Meyer, Herrmann Julius Meyer: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Siebenzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1856, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_17._Band_1856.djvu/91&oldid=- (Version vom 13.11.2025)