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Freveln, der Fluch der Knechtschaft wurde geboren, blutroth wurde die reine Flamme des Himmelslichts in den Tempeln des Molochs, blau und bleich im ägyptischen Schattenreiche, sie erlöschte im Garten Indiens; herrlich strahlte sie fort an Griechenlands Olymp allein. Die Hellenen wurden die Schooßkinder der antiken Wunderwelt; unter ihnen ließen sich die alten Götter nieder und der Berg, den wir auf unserem Bildchen sehen, war lange ihre heitere Wohnung und der Lichtträger für die Welt. Als aber die Verheißung, die Hellas zur Geistersonne erkoren, sich erfüllt hatte, das heitere Glück vor den Stürmen des Kriegs aus dem Lande floh, und das Wunderkind, im Zeichen des Lammes geboren, eine neue Zeit verkündigte: da wurde es auch den alten Göttern unheimlich auf ihren Bergen, sie zogen davon und mit ihnen das Glück aus dem griechischen Leben; verlaufen war die alte Zeit, und vom verödeten Parnaß ging die Strömung der Ideen hin zum Fuße des Libanon.

Wie würden Apoll und seine Musen trauern, wenn sie ihren Göttersitz jetzt wieder sähen. Des Parnassus sonst ewig sonniger Scheitel trägt eine beständige Nebel- oder Schneekappe, auf seinen kahlen Felswänden wachsen keine Oliven mehr, gehen keine Saaten, geschweige Drachenzähne auf, Geier und Adler nisten in den Altartrümmern, die sonst wohlriechende Opfer zum blauen Himmel sandten, und wo die Dryaden alljährlich ihre heiteren Feste feierten, treiben nur noch rauhe Winde ihr Spiel. Die Stätte des Tempels von Delphi selbst, in dem Plinius noch 3000 Bildsäulen von Gold und Marmor zählte, verunstalten elende Hütten, und aus der kastalischen Kluft, wo der goldene Dreifuß der Pythia stand, lugt dann und wann ein griechisches Räubergesicht, das dem Reisenden auflauert, der nach den klassischen Orten pilgert. Wie sein schönes Götterthum, ist ja ganz Hellas zur Ruine geworden.

Der alte Göttersitz erhebt sich von dem nordöstlichen Plateau Hochgriechenlands als eine fast ganz nackte Steinmasse zu einer Höhe von 7500 Fuß. Nur ein schmaler Gürtel dunkler Tannen umschließt seine Seiten. An seinem Fuß, im Thale, wo das alte Daulis stand, lebt noch ein Menschenschlag, der griechisches Blut, griechische Züge und sogar griechische Tracht in erkennbarer Reinheit erhalten hat und in der frischen Bergluft ein unabhängiges Leben führt. Die türkische Eroberung hatte das Völkchen aus der Ebene auf diese luftigen Höhen getrieben, wo sie aus den rauhen Gebirgsabhängen Getreidefelder und Weinberge schufen. Von da aus ist’s noch ein sechsstündiger, beschwerlicher Stieg bis zur Spitze. Eine dem höchsten Gipfel gegenüber stehende Felswand, auf der die Alten, wenn sie des Lebens satt waren, sich, ihren Göttern zum Opfer, selbst den Tod gaben, heißt noch der Greisenfels. Der Gipfel selbst ist eine mehrfach gezackte Felskante von Kalkstein. Zehn Monate im Jahr ist er von Schnee bedeckt. Hoch am Berg liegt die korykische Grotte, das Heiligthum der Nymphen, ein ungeheures Stalaktitengewölbe. Während des Befreiungskrieges fand vor den Türken die ganze Bevölkerung des Thales darin Schutz und jetzt noch werden die schwarzgeräucherten Tropfsteinkammern gelegentlich von Raubgesindel bewohnt. Ein rauher