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Pfad führt über den Rücken des Gebirges, im Zickzack an einer jähen Felswand hinab nach dem Dörfchen Kastri. Zwei senkrechte, rothgraue Kalkfelsen ragen mehrere hundert Fuß hoch über dieser Felswand empor und umschließen eine romantische Schlucht, aus der ein plätschernder Bach hinab in’s Thal eilt; – ein paar Stufen führen in’s Innere der Schlucht zu dem Bassin der kastalischen Quelle, dem geweihten Bade, das die pythischen Jungfrauen sich für ihre Weissagungen vorbereiten und läutern mußten. Jetzt wuchert frische Brunnenkresse aus den Fugen der zerbröckelten Marmorumfassung. Hinter dem Becken führt ein verschütteter, mit Steinplatten verdeckter Gang zur Dunsthöhle, welche das Orakel verbarg. Noch zu Hadrians Zeit war der heilige Ort vom Tempel des Apoll umschlossen; über einer Felsenspalte, aus der die inspirirenden Dämpfe aufstiegen, stand der goldene Dreisessel mit Lorbeeren und Blumen umwunden. Von dem in das Allerheiligste geleiteten Wasser der Quelle Kassotis trank vor dem Wahrsagen die bleich und verstört blickende Pythia, und ließ sich auf dem Dreifuß sitzend von dem Athem der Unterwelt umnebeln, bis sie in Raserei verfiel und unter Geheul unverständliche Worte und Töne ausstieß – das war das Orakel, welches die Priester sorgfältig aufzeichneten und, geordnet und ausgelegt, dem Fragenden für Gold einhändigten, gewöhnlich in Versen, da keine Sprache so geeignet ist als die der Dichter für eine dunkle Bedeutung und eine räthselhafte Auslegung. Bis zum Verfall des Römerreichs erhielt sich das Orakel in Ansehen und erst die Raub-Einfälle der kriegerischen Scythen und Gothen machten der Herrlichkeit und dem Hokus Pokus ein Ende. Die goldenen Statuen, Gefäße und der Dreifuß wurden von den Barbaren fortgeschleppt, der Tempel zerstört, Pythia und ihre Priester wanderten aus und überließen die heilige Stätte den Eulen und Geiern, deren Geschlecht noch da horstet. An der Ostseite der kastalischen Kluft steht zwischen Olivenbäumen ein verlassenes Kloster, etwas weiter die Ruine eines dorischen Tempels zwischen umhergestreueten, ausgeraubten Sarkophagen.

Am Fuß des Parnaß drängt sich aus einem engen Thal das Flüßchen Pleistos hervor und schlängelt sich durch eine mit herrlichen Oelbäumen bewachsene Ebene in’s Meer. An dieser Stelle war es, wo Apoll landete, als er in Delphin-Gestalt sein Schiff und sein Heiligthum von Kreta nach Delphi brachte. Hier wurden auch die pythischen Spiele gehalten. Am einst so berühmten Hafen sieht man bloß noch ein paar verfallene Hütten; die Küste des nahen Bulis, welche die Fischer der Purpurmuschel einst so sehr belebten, ist jetzt versandet und verödet.