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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Folge schwacher Ernten; Theuerungsjahre kann keine Regierung von ihrem Lande abwenden, weil keine im Stande ist, Mißwachs zu verhindern. Wo aber der Getreideverkehr frei ist, nichts der Ansammlung von Seite der Privaten im Wege steht, da wird der Getreidehändler schon im eigenen Interesse darauf sehen, daß fortwährend Vorräthe auf Privatböden aufbewahrt und übertragen werden auf ein etwaiges Jahr des Mangels.
Bayern gehört zu den wenigen Ländern Europa’s, welche ihren Bedarf selbst erzeugen. Aber auch hier proklamiren zwar alle die zahlreichen Verordnungen, welche über den Getreidehandel seit dem Jahre 1805 erlassen worden, als ihr allgemeinstes Princip den freien Getreidehandel, halten aber dasselbe weder strikte fest, noch führen sie es genau durch; vielmehr lassen sie sämmtlich die Ansicht durchblicken, daß man bei höheren Getreidepreisen nicht allein die Ausfuhr, sondern auch den Kornhandel im Innern des Landes beschränken, die Händler streng überwachen, Schrannenzwang einführen müsse u. dgl., dagegen beim Sinken der Preise diese Hemmnisse wieder beseitigen und größere Freiheit gestatten dürfe. Die Erfahrung hat aber gezeigt, wie bedenklich es ist, wenn eine Regierung den Getreidehandel, statt ihn mit fester Hand zu schützen, durch störende Eingriffe in seinen Gang verdächtigt und hindert, weil dadurch direkt oder indirekt durch Ausbleiben der Zufuhr die Gefahr des Mangels nur größer wird.
Münchens Getreidemarkt ist der bedeutendste in Bayern. Trozdem, daß seit dem zweiten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts der Kartoffelbau in Oberbayern sich sehr ausgebreitet hat, ist gleichwohl die Getreidezufuhr zur münchener Schranne nicht geringer geworden. Die Getreidekonsumtion hat allerdings im Inland abgenommen, nicht aber der Getreidebau. Die Kartoffel, meist als Brachfrucht gebaut, entzieht dem Getreide wenig Boden, unterstützt die Viehmastung, macht es möglich, daß mehr Getreide in den Handel gehen kann, und hilft somit dazu, daß die Preise wieder mehr im Gleichgewicht erhalten werden. Aus den amtlichen Auszeichnungen geht hervor, daß der Verkauf von Getreide auf der Münchener Schranne nach dem Ausland erst in theueren Jahren nennenswerth wird. So wurden im Jahre 1846 bis 1847 von fremden Händlern für die Schweiz, Baden und Würtemberg im Ganzen 75,198 Scheffel eingekauft, während in jenem Jahre beiläufig 480,000 Scheffel zum Verkauf gekommen waren. Seitdem ist der Markt gewachsen. Als ich an einem Sonnabend des vorigen Herbstes (1856) die Schranne besuchte, betrug der Getreidevorrath 17,200 Scheffel. Schrannenberichte vom Febr. d. J. (1857) stellen Zahlen von 21,572, ja von 22,796 Scheffeln auf. Das Wachsthum der Zufuhr seit 50 bis 60 Jahren ist großartig. Im Jahr 1790 betrug dieselbe im Ganzen 158,654 Scheffel, im Jahre 1855 dagegen mehr als das Vierfache, nämlich 645,377 Scheffel. In München allein wurden in den Jahren 1851–1855 110,729 Scheffel Weizen und Roggen vermahlen, also mehr als ein Scheffel für jeden Kopf der Bevölkerung.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 98. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/107&oldid=- (Version vom 11.12.2025)