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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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In des stolzen Mailands Mitte ist ein Berg zu des heiligen Grabes Ehren aufgethürmt aus weißem Marmor. Weißer Marmor sind die Stämme des Waldes, über welchen der Berg sich wie ein Himmel wölbt. Aber durch dieses Himmelsgewölbe wachsen die Gipfel der Bäume hinaus, und hast Du den Berg erstiegen, so wandelst Du zwischen Tausenden von weißen Marmorblumen, marmorner Epheu rankt sich um hundert Ehrenbogen und Thore, marmorne Lauben winken an den kühnen Pfaden der hängenden Gärten des Bergs, und tausend marmorne Gestalten stehen und knien Gott zum Preise zwischen den Blumen und Ranken, in dem Geäste und Gezweige der Baumgipfel, bald versteckt in unnahbaren Winkeln, bald blüthenweiß im Dunkelblau des Aethers schwebend. Du bist stumm vor dem Wunder der Kunst des Menschengeistes und der Menschenhände, – bis Du des Bergrückens Thurm erklommen und von da rings in weiter Ferne den Kranz erschaut hast, den Kranz von blauen und weißen Blumen, welchen der Schöpfer um den immergrünen Teppich herum gelegt hat, auf dem der weiße Marmorberg mit den Baumwipfeln über den enggereiheten Häuserfirsten seiner Stadt emporragt. Die Blumen dieses Kranzes sind die Granitfelsen und Gletscherkronen, mit welchen Alpen und Apenninen die ewig blühende Ebene des Lombardenlands umschlingen. Vor diesem Rundbilde versickert in Dir das überwältigende Gefühl, mit dem die Pracht und selbst das widerwärtige, mit dem die Kunstvergeudung am Dombau allmählig Dich erfüllt; und endlich schwärmt Dein Auge nur noch in der Herrlichkeit der unermeßlichen Riesenbergwelt, und Dein Herz zittert in Andacht vor dem Geist der Allmacht, die den himmelragenden Felsenkranz gewunden!
Die Alpen sind die Grenzwälle zwischen drei Nationen, die Mauern Italiens gegen Deutschland und Frankreich. Während sie aber winkend und lockend und Sehnsucht erregend vor dem Germanen standen, weil von dort Hügel hinter Hügel, Berge hinter Berge immer höher und höher bis zu den Felsenfirsten und Gletscherhörnern
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 3. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/12&oldid=- (Version vom 6.12.2025)