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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Es sind trübsinnige Eindrücke im erhabensten Style, welche die Großstädte der europäischen Türkei auf den abendländischen Reisenden machen. Inmitten einer Natur, über die alle Zauber der Schönheit gegossen sind, unter einem Himmelsstriche, wo Alles, wie die Sage geht, von bewundernswürdiger Güte und Sanftheit ist, Luft und Erde und Thier, Alles – bis auf den Menschen, – da dehnen sich, über Thäler und Hügel hin, jene Riesenbaue mit ihren Moscheen und Palästen, Zinnen und Thürmen ohne Zahl, stolz und gewaltig, und dennoch, trotz des blendenden Glanzes, von unheimlichem Aussehen, tausend Spuren des Verfalls an sich tragend, wie belastet vom Fluche des Untergangs und gebrandmarkt von all’ den Greueln, welche im Laufe von Jahrhunderten in und außer den Mauern der Mensch hier verübte, und deren Erinnerungen den Wanderer auf Tritt und Schritt, wie schwarze Schatten, verfolgen. So ist Stambul, so auch Adrianopel oder Edreneh, wie die Türken sie nennen, die zweite Stadt des Reichs.
Auch ihre Lage ist von hoher und berühmter Schönheit, und wer droben auf der Galerie eines der schlanken Thürme steht, welche sie zieren, und den Blick schweifen läßt über die Stadt und die buntfarbige Landschaft, über der das tiefe Blau eines südlichen Himmels ruht, genießt eines entzückenden Anblicks. Da liegt zu Deinen Füßen im weiten Thal der Maritza, über sieben sanfte Anhöhen sich hinziehend, das kaum übersehbare Häusermeer. Zierlich gewunden und in verschiedene Arme sich theilend, schlängelt der blaue Fluß durch die Stadt, und Gruppen von Grün, in allen Schattirungen und allen Formen bis hinan zur schwarzen Cypresse, leuchten anmuthig zwischen den flachen rothen Dächern hervor, über deren Gewirr die schwärzlichen Mauern und Thürme und, wiederum aus dem Schatten gewaltiger Bäume, die weißen Minarete und blanken Kuppeln der Moscheen majestätisch sich erheben. Dichtbelaubte Gärten mit schimmernden Landhäusern, lachende Weinberge, Rosenwäldchen und strotzende Saatgefilde bilden in lieblichem Wechsel die Umgebung der Stadt und locken den Blick in die Ferne, bis er sich hier ins Unendliche verliert, dort von den blauen Bergen des Balkan begrenzt wird.
Entzückt stehst Du vor dem reizenden Bilde, betroffen von dem mächtigen Eindruck der Stadt; vor Deinem Geiste aber rollen sich die Bilder der Geschichte des denkwürdigen Volkes auf, das hier haust: wie es
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 111. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/120&oldid=- (Version vom 12.12.2025)