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hat er noch heute seine volle Lebenskraft. Er ist das Herzblut der Race, des Klima’s, der socialen und sittlichen Anschauungsweise jener Länder und jener Menschen. Unter europäischen Himmel verpflanzt, neben abendländische Kultur, das phantastische Kind der Wüste neben den nüchternen Sohn christlicher Civilisation, war er der Baum, der auf ungeeignetem Boden verkümmert: der Türke verlor seine Glaubensgluth und Glaubenskraft und nahm zum Ersatze dafür nichts als den Auswurf westlicher Gesittung. In Europa muß und wird der Mohammedismus untergehen. Nicht mindere Schuld aber, als diese religiösen Verhältnisse, trägt am trostlosen Zustande des Staates der Charakter des türkischen Volkes überhaupt. Der Türke ist mit dem Araber, seinem Glaubensgenossen, nicht auf einerlei Stufe zu stellen. Die Araber sind ein edles, reichbegabtes Volk, von wilden starken Gefühlen, aber zugleich eiserner Gewalt, sie zu bändigen. Wo sie gebildete Länder eroberten, erlangten sie allenthalben schnell einen bedeutenden Grad von Civilisation. Der Türke dagegen ist geblieben, was er war, der ungeschlachte, aller Kultur und Sitte unzugängliche Barbar. Die ganze gewaltige Laufbahn dieses Volkes, sein Ruhm und seine Triumphe sind nichts als die Siege des Schwerts, die Erfolge der rohen Gewalt. Wie rauhe Bergluft in milde Thäler stürzte die Horde aus ihrer Steppe über die civilisirten Länder her. Der rohe Nomad sieht den gebildeten Weichling zu seinen Füßen; durch Raub und Mord werden die schönsten Frauen seine Beute; vor seinem Schwerte sinken blühende Städte in Trümmer, die herrlichsten Länder werden zur Wüste unter dem Hufschlag seiner Pferde; Verheerung, Rauch und Trümmer bezeichnen seinen Pfad; aber dieser Pfad führt ihn aus den Zelten der Wüste auf die weichen Polster der griechischen Großen, aus Armuth zu überschwenglichem Reichthum, aus Unbedeutendheit auf den Thron der Weltherrschaft. Sein Schwert ist der Schrecken der gebildeten Welt. Mit seinem Schwerte triumphirt er über Geist und Civilisation, Bildung und Schönheit. Was Wunders, wenn er, arm an Ideen, wie er ist, Geist und Kultur verachtet, der Menschlichkeit Hohn spricht, mit der Brutalität eines rohen Emporkömmlings sich dem Genusse ergibt, und das Schwert sein Glaube, seine einzige Beschäftigung bleibt? In der That, auf Unduldsamkeit und stete Eroberung war die Herrschaft der Türken gegründet, und so Lange der Schreckensstrom ihrer Kriegsfahrten und Raubzüge in frischer Kraft dahin brauste, so lange stand es wohl und sicherum ihr despotisches Regiment. Aber jede physische Kraft wird endlich erschöpft und bricht zusammen, wie jeder Genuß in sich selbst sein Grab findet. Jener gewaltige Strom verlief sich allgemach, und das Reich sah sich eingedämmt zwischen die Staaten der europäischen Christenheit zu friedlichem Gedeihen. Der Barbar der Steppe verlor sein Schwert, und mit ihm Alles. Ohne geistiges Leben, ohne Anbau im Innern zu weiterer Entwickelung, ohne alle Rücksichtsnahme auf die Forderungen, welche Zeit und Nachbarn stellten, eingerostet in seinen Reichs- und Glaubensformen, bot der Staat das Bild des starren orientalischen Despotismus, und die täglich um sich greifende Schwäche und Versumpfung setzte unaufhaltbaren Verfall als sein unvermeidliches