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Loos außer Zweifel. Das ist das Leiden des „kranken Mannes“, das die Türkei schon seit hundert Jahren zum Spielball auswärtiger Politik macht, und dessen Symptome dem Wandrer in jenem Lande aller Orten entgegentreten, an keinem aber stärker und ergreifender, als in Adrianopel. Kehren wir jetzt dahin zurück.

Die Stadt ist alt und hat wechselvolle Schicksale im Laufe der Zeit erlebt. Ursprünglich hieß sie Uskadama und war die Hauptstadt der alten Bessier. Ihren jetzigen Namen führt sie von Kaiser Hadrian, der sie neu aufbaute und vielfach verschönerte. An dem Punkte gelegen, wo die verschiedenen Pässe des Hämus zusammentreffen, war sie dem Andrängen aller Völkerschaften ausgesetzt, welche Beutelust oder abenteuerlicher Sinn über das Gebirge nach dem Süden führte. Von Gothen und Bulgaren erlitt sie wiederholte Plünderung und Verheerung; auch die Kreuzfahrer unter den Komnenen nahmen über Adrianopel ihren Weg. Endlich im Jahre 1360 bemächtigte sich Murad II. der schon damals nicht unbedeutenden Stadt, und sie war fortan, bei ihrer für militärische, politische und merkantile Zwecke äußerst vortheilhaften Lage, bis zur Eroberung von Konstantinopel Residenz der Sultane und Mittelpunkt des gesammten Osmanenreiches. Jetzt begannen für sie dieTage des Glanzes. Bald schimmerten die kupfernen Dächer zahlreicher und prunkender Moscheen weit hinaus in die Gefilde, Paläste und Schlösser entsprangen dem Boden, Gärten entstanden mit Villen und Lustsitzen, Wasserleitungen und künstlichen Springbrunnen, Befestigungswerke wurden aufgeführt, großartige Bäder von Marmor geschaffen mit domartigen Vorhallen, Märkte und Khane gebaut, Klöster, Schulen, Spitäler und andere Stiftungen errichtet, Brücken in kühnem Schwung über den Fluß geworfen, die Stadt alljährlich vergrößert und verschönert. Der Tribut gezüchtigter Völker, die Beute aus eroberten und verheerten Ländern, die Schätze von hundert verwüsteten Städten, die Trophäen zahlloser Siege, Alles floß hier zu unermeßlichem Reichthum zusammen und wurde von den Großen des Reichs in orientalischer Genußsucht, Weichlichkeit und Prachtliebe vergeudet. Jagdzüge und Jagdfeste, mit unerdenklichem Pompe von den Sultanen veranstaltet, belebten die Umgegend; die Einwohner (deren Zahl sich damals auf mehr als 300,000 belief, während sie jetzt kaum 90,000 beträgt) thaten sich hervor in den Künsten des Ostens, ihr Rosenöl und Rosenwasser, ihre Seidenzeuche, ihre feine Seife, ihre Scherbete und ihr Zuckerwerk wetteiferten mit den berühmtesten Erzeugnissen des Orients, und gefeierte Dichter sangen Hymnen zum Preise der Stadt und ihrer Bevölkerung.

Von all’ den Bauwerken, welche aus jener Zeit noch vorhanden sind als die Zeugen des entschwundenen Glanzes, ist Weniges mehr sehenswerth. Etwa die Citadelle, die mit ihren 16 Thürmen die Stadt beherrscht, der Bazar mit 6000 Gewölben, das alte und neue Serai und einige Moscheen, z. B. die Murads II. mit ihrem berühmten Vorhofe, dessen zwanzig Kuppeln von 70 der kostbarsten, aus den Ruinen von Athen und Cyzicus hierher geschleppten Marmor- und Granitsäulen getragen werden. Mehr aber noch als diese verdient unsere