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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Aufmerksamkeit die in der Mitte der Stadt auf einer Anhöhe gelegene und Alles überragende Moschee Selims II., und ihr Bild läßt uns mit einem würdigen Eindruck von der Stadt des Hadrian scheiden. Diese Moschee, deren Bau in Folge eines Gelübdes nach der Eroberung von Cypern (1466) unternommen wurde und die Summe von 13 Millionen Piastern verschlang, wird von Sachkundigen für die prachtvollste des ganzen Orients erklärt. Sie bildet ein Viereck von 180 Fuß nach jeder Seite, mit einem Vorhofe von gleichem Umfang, dessen drei freie Seiten (die vierte bildet die Façade der Moschee) vierundzwanzig von Säulen gestützte Kuppeln zieren. Das Dachgewölbe der Moschee, außen mit Blei bedeckt, auf der innern Seite mit vielfarbigen Steinen zierlich ausgelegt und von Fenstern durchbrochen, übertrifft an Größe und Höhe das der Aja Sofia in Konstantinopel, und noch weit über dasselbe empor ragen die vier prachtvollen Minarete, von deren Galerien aus man die reizende Aussicht genießt, die wir oben beschrieben. Im Innern des Tempels, das nur mit entblößten Füßen betreten wird, sind weder Bilder noch Statuen, noch Altäre, noch Grabdenkmale zu sehen; nur arabische Inschriften, Sprüche aus dem Koran, Namen heiliger und frommer Männer, meist in Gold und in kolossalem Maßstabe ausgeführt, schmücken die Wände. Auf dem weißmarmornen und mit Teppichen bedeckten Fußboden liegen hie und da auf besondern Gestellen große und prächtig ausgestattete Exemplare des Koran, und eine Quelle des herrlichsten Wassers sprudelt in der Mitte der Moschee, schön in Marmor gefaßt, unter einem säulengetragenen Gewölbe. So drückt sich erhabene Einfachheit, Ruhe, Größe und Einheit des durchgehenden Gedankens aus, im Style des Ganzen wie in der Ausschmückung des Einzelnen, und der Eindruck ist durchaus gewaltig. Gewaltig am Tage, wenn durch die 250 Fenster der Kuppel das Licht der Sonne niederströmt, gewaltiger noch in den feierlichen Nächten des Ramazan, wenn der Tempelraum im Glanze von zwölftausend Lampen wiederstrahlt, und so zur großartigsten Verbildlichung der Aufschrift wird, welche seine Pforten ziert:
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 115. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/124&oldid=- (Version vom 12.12.2025)