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Der Hundskogel am Hintersee.




Lieber Leser, hast Du schon einmal vor einem jener dunkeltiefen Alpenseen gestanden, die in dem granitnen Gürtel des Gebirgs wie Edelsteine in der Sonne glänzen, bald tiefgrün lockend, bald sehnsuchtblau, bald mit weißlich-grauem unheimlichem Spiegel? Groß sind sie nicht, die Flächen ihres Gewässers, aber die Tiefe thut’s und der köstliche Rahmen um das Glas, hinter welchem die Sagenwelt die Wohnstätten ihrer gefährlichsten Geister verborgen hält. Dieser Rahmen besteht entweder ringsum aus den schroffsten Felsenwänden, die mit ihren Schluchten, Gesimsen und Terrassen über dem Seespiegel emporsteigen, wie die ungeheueren Mauern eines Doms, über welchen die Bergkegel sich als Kuppeln wölben, prächtig wiederstrahlend in der Fluth vom Portale bis zum Thurmknauf, oder die stillen Wasser laufen, dem entfernteren Auge kaum merklich, mit dem Wiesenteppich zusammen und sind, so weit das Baumrevier reicht, geschmückt mit Kränzen dunkeler Rothtannen und Gruppen der Zirbelkiefer. – Ich habe manchem dieser Seen in die finsteren Augen geblickt, aber der Alpenmann Tschudi ist auch zu den obersten Wassersammlern hinaufgestiegen und erzählt davon gar Wundersames. Diese Wassersammler, sagt er, nähren sich meistens von großen Gletscherfeldern, gönnen an ihren Ufern höchstens ein Paar mageren Weiden, Heckenkirschen- und Erlenbüschen ein dürftiges Daseyn oder lagern ganz todt zwischen dem grauen Felsgeschiebe. Sie haben ein düsteres und tiefernstes Ansehen. Gewöhnlich ohne alle Wellenbewegung mit dunkelgrünen Farbentönen, stimmen sie zum öden Geiste der Felsenlandschaft. Kein Nachen, kein Flößchen hat sie je berührt, keine Seerose ihre breiten Blätter auf ihrem Spiegel gewiegt, kein Fisch zieht durch die grünen Tiefen, kein Wasservogel, oft nicht einmal ein Frosch, sitzt an dem steinigen Ufer. Den größten Theil des Jahres deckt sie Schnee und Eis, und manches flache ausgewölbte Becken friert bis auf den Grund zu. Mühsam und langsam thaut der Frühling oder gar erst der Sommer sie auf, und kleine Eisfelder schwimmen noch auf ihnen, wenn schon die Alpenrosenbüsche ihrer Felsen freudig die Glockensträuße im Winde wiegen. Dabei hat eine große Anzahl dieser Hochseen keinen sichtbaren Abfluß. Das Wasser fällt in einen oft durch kreisende oder wirbelnde Wellenbewegung angezeigten Trichter, arbeitet sich kürzere oder längere Zeit durch die Kanäle im Innern des Gebirgs und springt oft erst in großer Entfernung wieder zu Tage. Manche Seen haben auch keinen sichtbaren Zufluß und nähren sich von unterirdischen Quellen. Beide Erscheinungen vermehren