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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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für sie ein schöneres Ende gewählt, ein Ende, nachdem das edle Haupt den blühendsten Kranz des Lebens getragen. Unter den Ansiedlern in Jamestown war ein junger Brite, der hieß Rolfe und war von angesehenem Stande. Den fesselte die Bewunderung und die Liebe an die gefangene indianische Königstochter. Durch ihn ward sie frei, denn die Lenker der Kolonie sehnten sich nach einem dauernden Frieden mit der unbesiegbaren Rothhaut und sahen in der Verbindung eines Weißen mit dem Liebling des Mächtigsten ihrer Feinde dafür die sicherste Bürgschaft. Pocahontas und Rolfe dachten nicht an diese Zweckmäßigkeit ihrer Vereinigung, sie waren gleich hochherzige, gleichgesinnte Seelen und liebten sich nur aus Liebe. Fast so schwer, als einst, wo er die Keule über John Smiths Kopfe schwang, war es auch jetzt, den erbitterten Monarchen der Wildniß zu versöhnen mit dem Gedanken, daß sein Kind als Gattin einem Weißen folgen solle, und abermals war sein harter Wille so lange fest, bis die Stärke des Kindes über die des Vaters ging. Da ward in Werowocomoco und in Jamestown mit großer Pracht ein Doppelfest gefeiert: des Friedens zwischen dem Könige und der Kolonie, und der Vermählung Rolfe’s und der Pocahontas. Nachdem das Indianerkind Christin geworden war, führte Rolfe die Gattin nach England, um ihr die Herrlichkeiten seines Vaterlandes zu zeigen. Dort aber wurde Pocahontas geehrt als Königstochter, gleich einer Prinzessin mit weißer Haut. Nur wenige Jahre ertrug sie die Trennung von den Wäldern und Menschen der Heimath, da ward sie krank vor Sehnsucht nach den Augen des Vaters und den Hütten der Indianer. Aus Liebe zu seinem theuren Weibe entschloß sich Rolfe, mit ihr zurückzukehren nach Virginien und bei ihrem Stamm mit ihr zu wohnen bis an’s Ende. Wie lachte da Pocahontas’ Herz! Rasch ging’s auf die Reise. Schon ist Gravesand erreicht, wo die Themse ins Meer strömt, und dort winkt das Schiff, das sie über den Ocean tragen soll an das Gestade ihrer Wälder, – da war der Tod vorausgeeilt, die Königstochter der Wildniß starb im Anblick des Meers. In der Geschichte steht: „Es gefiel Gott, sie in Gnaden zu sich zu nehmen, und ihr unerwarteter Tod erregte bei den Anwesenden nicht sowohl Trauer und Leid, als Freude – Zeugen zu sein, wie sie ein so gottseliges Ende nahm.“ Arme Pocahontas!
„Noch heut zu Tage wird in Virginien das Andenken der Pocahontas gesegnet und mehrere Familien zählen Powhatan und Pocahontas zu ihren Ahnen. Die Geschichte aber rechnet ihr das ewige Verdienst zu, daß ohne ihre Großmuth und edle Fürsorge der erste schwache Keim der mächtigen Union nicht hätte erhalten werden und gedeihen können.“ – John Smith, dem sie Leben und Freiheit erhalten, ward der erste Geograph und Historiker ihrer Heimath, und so hat Pocahontas nicht nur Virginiens bessere Zukunft, sondern zugleich dessen ersten Geschichtschreiber und damit die älteste und treueste Kunde über ihr Vaterland der Nachwelt gerettet.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 134. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/143&oldid=- (Version vom 13.12.2025)