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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Eindruck auf den Ankommenden. Ein Bach, der in den Fluß fällt, trennt zwei Hügel, an welchen die stattlichen Häuserreihen emporsteigen; zur Stadt gehört Shockon-Hill und die Vorstadt Rocketts. Mit dem am entgegengesetzten Ufer liegenden Manchester ist Richmond durch zwei Brücken verbunden. Die hohen dampfenden Schlöte, die Du neben den Thürmen von mehr als zwanzig Kirchen über die Dächer ragen siehst, deuten Dir schon von Weitem an, daß Du hier in eine Ausnahme von der virginischen Regel, d. h. in eine Stadt kommst, wo der Fabrikthätigkeit sich tüchtige Kräfte widmen. Die hiesigen Fabriken arbeiten in Glas, Papier, Eisenwaaren (es werden allein jährlich über ½ Million Pfund Nägel geliefert), Bier, Leder, Zucker und besonders in Tabak. Außerdem besteht eine Waffenfabrik und eine Kanonengießerei. Der Handel, der sich über die Erzeugnisse der Fabriken, des Plantagen- und des Bergbaus (namentlich Steinkohlen) erstreckt, ist durch den Umstand besonders begünstigt, daß Seeschiffe, die nicht über 10 Fuß tief gehen, den Jamesfluß herauf kommen und bei der Stadt anlegen können, während wiederum der Betriebsamkeit durch die Fälle des Jamesflusses eine ungeheuere Wasserkraft dargeboten ist. Eisenbahnen und Kanäle öffnen außerdem der Produktion Richmonds Verkehrszüge nach Nord, Süd und West und regelmäßige Dampfbootfahrten verbinden es mit nahen und fernen Hafenplätzen. Unter den etwa 30,000 Einwohnern sind nahe an 8000 Deutsche. – Unter den Gebäuden Richmonds ist das sehenswertheste das Staatenhaus (Kapitol) auf einem der beiden Hügel. Es ist nach dem Muster des berühmten sog. „Viereckigen Hauses“ (maison carrée)[1] in Nismes gebaut, von drei Seiten mit Säulen umgeben und geschmückt mit der schönen marmornen Bildsäule Washington’s von Houdon’s geschicktem Meißel und einem Brustbilde Lafayette’s. Ansehnliche Gebäude sind außerdem noch der Palast des Gouverneurs, das große Staatsarsenal, der Justizpalast, das Rathhaus und die Bauten der Anstalten für Wissenschaft, Kunst, Unterricht, Wohlthätigkeit und Vergnügen. Die Lage der Stadt ist so gesund, daß ihr sogar die etwas starke südliche Unreinlichkeit (natürlich im Vergleich zu der Nettigkeit und Reinlichkeit der nordischeren Städte der Union) wenig oder nicht schadet. Die Straßen sind zu beiden Seiten zwar mit schmalen Backsteinwegen für Fußgänger versehen, außerdem ungepflastert und bieten zu Zeiten in ihrem Morast Kühen, Schweinen und wollköpfigen Negerkindern einen wunderlichen gemeinsamen Spielplatz. Backstein ist auch das Hauptbaumaterial der meisten Häuser, die Bedachung meist Schiefer. Der Richmonder ist endlich nicht wenig stolz auf das hohe Alter seiner Stadt, d. h. nach amerikanischer Zeitschätzung, denn sie ist im Jahr 1742 gegründet, also vor mehr als 100 Jahren!
- ↑ In einem der nächsten Hefte des Universums werden wir eine Abbildung dieses Prachtstücks antiker Baukunst liefern.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/145&oldid=- (Version vom 13.12.2025)