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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Da unten im Thale der Werra graben und hacken, scharren und schaufeln und karren auf und ab die langen Reihen der Arbeiter auf der Linie, auf welcher das Dampfroß diese Flur durchschneiden soll. Wie das durcheinanderwimmelt und wie sie rastlos schaffen, die fleißigen armen Menschen, vom frühsten Morgen bis zur späten Abendglocke! Aus der Nähe und der Ferne strömten sie herzu, im Tuch- und im Leinwandrock, in der Jacke und im blauen Kittel, der brodlose Handwerker und der Bauer des Gebirgs, der Ackerknecht und der Taglöhner der Fremde. Niemand fragt: was hat die Ameisenhäuflein von Menschen dort an den Hügel, hier auf die Wiese am Fluß, drüben auf die Ackerfelder zusammen getrieben? Jeder weiß es: sie alle gehen nach Brod. Sie arbeiten Tag um Tag und Woche um Woche für den Abend des Zahltags. Vom Reichwerden träumt Keiner da unten; ihr höchstes Ziel ist – das Sattwerden. Am Golddurst leiden sie nicht, aber möglich ist es schon, daß Mancher von ihnen, wenn er hackt und karrt den ganzen Tag, um schnöde Erdschollen von einer Stelle zur andern zu bringen, seufzend an das Land denkt, wo Hacke und Spaten dem glücklichen Mann mit Gold lohnen.
Und doch ist das, was sie da unten treiben, nichts als eitel Goldgräberei, nur eben für Andere. – Die Männer, die wir auf unserem Bilde ihr Werkzeug in Kalifornien schwingen sehen, graben und sammeln für sich. Das ist der Unterschied.
Es ist Mode geworden, die Wörter „Kalifornien“ und „Golddurst“ für so zusammengehörig, so unzertrennlich zu halten, als ob Kalifornien den Golddurst erst in’s Leben gerufen hätte und ein Makel auf Jeden fiele, der dem Drang zur Befriedigung desselben folgte. Der Golddurst ist so alt, wie die Welt, der amerikanische ist ein vierthalbhundertjähriger, und der kalifornische befiel die Menschheit im Jahre 1848. Die Art und Weise, wie der letztere gestillt werden muß, ist die einfachste und unschuldigste von allen. Denn wenn der Golddurst der Könige, Mächtigen und Großen der alten Welt Millionen von Menschen drückte, wenn jener Golddurst durch den Schweiß dieser Millionen fast niemals gelöscht werden konnte, und wenn die Gier nach Gold, welche die ersten Europäerzüge nach Amerika trieb, nur schwelgen wollte mit den langen Fingern beider Hände in den angesammelten Schätzen der
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 139. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/148&oldid=- (Version vom 14.12.2025)