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den Glanz der Wasserfälle an den Felswänden und im Hintergrund übereinander geschobene Eiszackenreihen in Einem Bilde. Das Felsenspalier zu beiden Seiten des Thals gewinnt mit jedem Schritt an Reichthum des Wechsels durch mächtige Vorsprünge, tiefe Einschnitte und den mannichfaltigsten Schmuck der Baumgruppen. Dazu sind die kühnen Mauern und Bogen, welche die Straße an den steilen Bergwänden dahin tragen, oft weithin sichtbar. Aber all unser Steigen hilft uns nichts, die Felswände steigen mit der Straße, stehen schnurgerade, ja überhängend da und strecken noch allerlei wunderherrlich gestaltete Brocken, wie Fäuste und Nasen, weit in die Luft hinaus. Die Häupter sind allenthalben mit dunklem Nadelholz oder gelbrothem Laubwald gekrönt.

Das Dorf S. Giacomo, welches dem ganzen Thal den Namen Val San Giacomo, Jakobsthal, gibt, und das nun schon eine Stunde weit hinter uns liegt, tritt bei einer neuen Wegwendung uns noch einmal vor die Augen und bietet nun, mit seinem gewaltigen Hintergrund ein großartigeres Bild, als in der Nähe. Jetzt erhebt sich rechts das Dorf S. Maria Gallivaggio. Der schlanke, weiße Kirchthurm steht gerade vor einem himmelhohen, steilen grauen Felskoloß und erscheint so wie auf eine Riesenleinwand gemalt. Wir steigen weiter. Eine Kapelle zur Linken ist der Madonna, als der Beschützerin der Jungfrauen, gewidmet. – Die zehnte Straßenwindung leitet uns durch ein Felsenthor, das durch ein unumgängliches Querstück des Bergs gehauen ist. Dahinter führt eine lange Brücke über die Lira zu den jenseits im Thal zerstreuten Wohnungen. Eine Heerde klettert zwischen dem Gestein. Um einen Felsblock herum schwingt sich die Straße auf hohen Mauern und Bogen am Berg und an der Lira hin; das Jakobsthal zeigt sich in seiner ganzen Tiefe, von den Gletscherspitzen des Tambo überragt. Immer aufwärts in neuen Krümmungen der Straße. Rechts Steinhäusertrümmer, zwischen die Felsen hineingezwängte Häuschen, Alles Stein, Alles grau, ein eisernes Kreuz auf einem Felsstück. Nur die Reihen und Gruppen der Kastanien, die den ganzen Weg begleiten, ihn mit Herbstlaub und süßen Früchten bestreuen, bringen buntes Leben in das graue Steinmeer zu beiden Seiten der Straße. Das lieblichste Leben höre ich da von Weitem. Eine Schaar Kinder springt lachend des Wegs her und ruft mir ihr fröhliches „Salute!“ entgegen.

Vor der dreizehnten Windung der Straße sagt uns der Höhenmesser links an einem Hause, daß wir uns 857 Meter über dem Meeresspiegel befinden. Eine Viertelstunde später erreichen wir, nachdem die Straße sich noch zweimal über die Trümmerhaufen der Bergstürze emporgearbeitet hat, abermals ein Oertchen aus Steinblöcken und Steinhäusern von gleicher Größe durcheinander und Alles im dunklen Schatten eines Kastanienwäldchens. Bis hierher nahm die Bergaufwanderung, von Chiavenna aus, drei Stunden in Anspruch. – Die Felsenreihen treten immer näher, das Thal wird zur Schlucht. Die Straße geht, auf mächtige Streben