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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Wir dürfen deshalb unaufgehalten zu der Stelle gehen, wohin unser Bild uns weist. Wir stehen vor dem nördlichsten Theil der Goldregion. Dort, auf dem Bulte-Gipfel, umgeben uns die Kratertrümmer eines erloschenen Vulkans, in welchem für den Flammenstrom mehrere Oeffnungen gewesen zu sein scheinen. Die Felsen sind durch die unterirdische Gewalt zu unregelmäßigen Kegeln aufgeworfen und tragen überall die Spuren ausgestandener stärkster Gluth zur Schau. Breite Ränder, vom Feuer der Tiefe geschwärzt, ziehen sich zwischen den einzelnen Felsbrocken hin, und auf den Koppen der Kegel findet man runde, glatte Löcher von einem Fuß Durchmesser, die für unergründlich gelten. Augenscheinlich hat man hier die letzten Schlöte vor sich, durch welche Luft und Flammen ihren Ausgang nahmen, als die Oberfläche der abkühlenden Lavamasse verhärtete. Die Traditionen der Indianer gehen wohl bis zu der Zeit zurück, wo diese Krater noch in Thätigkeit waren, aber ihre Chronologie ist nicht mit Zahlen zu bestimmen. Jetzt ragen hundertjährige Fichten aus den Kratertrümmern empor. Weiter im Gebirge stößt man auf breite Lavabetten, die zu Kratern von noch größerem Umfang hinführen. Innerhalb dieser Vulkanwelt, auf dem Rücken und in den Adern der ausgebrannten Feuerberge des kalifornischen Nordens, hat die Natur das reizende Gold in großer Menge verborgen gehalten, bis der unermüdliche Mensch auch hieher die Spur fand.
Es ist ein gar hartes Leben, das der Goldgräber sich auferlegte, der in dieser entlegenen Wildniß sein Zelt aufschlug. Nur der kräftige Körper der Jugend kann die Mühseligkeiten und Entbehrungen längere Zeit ertragen. Auch das ist ein Fingerzeig der Natur, der zu veränderten Verhältnissen hin geführt hat. Schon jetzt lohnen Ackerbau, Gewerbe und Handel in Kalifornien besser, als die Goldgräberei. Daher wird letztere mehr und mehr von unverstromerten Menschen als Quelle betrachtet zur Erwerbung der Mittel, die dem Strebenden eine jener lohnenderen und leichteren Beschäftigungen möglich machen. Aber selbst die zerlumpten und verkommenen Gestalten unter den kalifornischen Goldsuchern haben immer noch Vorzüge vor einer anderen Gattung ihrer Kollegen: wie reinlich, wie anständig, wie ehrbar erscheinen diese schmutzigen fleißigen Kerle, die im Winter verthun, was sie im Sommer erarbeitet haben, gegen jene feinen vornehmen Knechte der Leidenschaft in manchen anderen Goldgräbereien, z. B. in dem
Auch hier gräbt man Gold, aber gemünztes, nicht aus dem Schlamm des Flusses und im Felsthal der Wildniß, sondern auf feinem grünem Tuch polirter Tische im glänzenden Prachtsaal, nicht mit schwieliger Faust, sondern in Glacéhandschuhen; hier graben nicht zerlumpte Männer im Sonnenbrand, sondern feine Herren in
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 143. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/152&oldid=- (Version vom 14.12.2025)