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höchsten Gesetzmäßigkeit des Organismus, den französischen Kathedralen desselben Styls gegenüber, eine gewisse Strenge, bei allem Reichthum des Details ein eigenthümlich keuscher Ernst zu Grunde. Die runde Grundform der Pfeiler wird belebt durch stärkere, fast frei vortretende Hauptsäulen für die Hauptbögen sowie durch kleinere für die Zwischengurte und durch Einkehlungen zwischen denselben. Die Träger der Gewölbgurte des Mittelschiffs steigen frei und unbehindert aus der Pfeilermasse empor, und die Gurte und Bögen selbst entwickeln sich klar und bestimmt, in vollkommener gesetzmäßiger Gliederung. Die Fensterarchitektur erscheint in den edelsten Formen; die unter den Fenstern des Viertelschiffs angeordnete Gallerie ist in deren Architektur durchaus harmonisch eingeschlossen. Dieselbe klare und durchgebildete Entwickelung zeigt sich an den Formen des Aeußern, obgleich hier die unteren Strebepfeiler noch auf eine etwas massenhafte Weise gebildet sind. Zum höchsten Reichthum entfaltet sich das System der Thürmchen über den Strebepfeilern und zwiefach gedoppelten Strebebögen. Als ein fast unbegreifliches Wunder der künstlerischen Konception tritt uns die Façade mit ihren beiden mächtigen Thürmen entgegen. In völligem Gegensatz gegen das zertheilende und trennende Galleriewesen des französischen Façadenbaues steigt hier das Ganze, unendlich gegliedert, aber in durchaus stetiger Entwickelung und mit unablässigem Bezuge auf den höchsten Gipfel empor. Hier ist der mannigfaltigste Wechsel der Theile, der höchste Reichthum de Formen und dennoch nichts Willkürliches, Nichts, was nur um seiner eigenen Bedeutung willen da wäre! Das Mittelschiff des Domes hat im Innern, seiner Gesammbreite entsprechend, eine Höhe von 161 Fuß kölnischen Maßes. Seine Länge im Aeußeren beträgt 532 Fuß; dasselbe Maß ist für die Höhe der Thürme bestimmt.

Das Universum gab im VI. Bande, S. 129, im Text die ältere Geschichte des Dombau’s und im Bilde das Aeußere des Doms vom Jahre 1840. Seitdem sind bessere Tage für den hehren Bau gekommen. König Friedrich Wilhelm III. und sein Nachfolger, andere deutsche Fürsten, voran König Ludwig von Bayern, und endlich der Kölner Dombau-Verein mit den zahlreichen Filial-Vereinen im In- und Auslande brachten wieder Leben in das Riesenwerk, das dem Absterben näher zu sein schien, als einem neuen Aufblühen. Während der Revolutionsjahre versiegten viele dieser Einnahmequellen, und Dombaumeister Zwirner warf manchen klagenden Blick auf die leeren Gerüste und Hütten der Bauleute. Nach und nach bildeten sich wieder neue Vereine und gingen andere Quellen auf, wie die Kollekten an der Dompforte, die Beiträge der Eisenbahn- und Dampfschifffahrtsgesellschaften in den Rheinlanden, die Gaben für das Einzeichnen in das „Ehrenbuch der Wohlthäter des Doms“, die Einnahmen der berühmten fahrenden Sänger Kölns in England u. dgl. – Freilich bedürfte, trotz alledem, ein solch ungeheurer Bau einer seiner Größe und Pracht angemesseneren Grundlage im deutschen Volke selbst, um sicher zur Vollendung geführt zu werden. Mehr als je sind aber gerade jetzt Keile groß und klein eingetrieben in