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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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alle Ritzen und Spalten der Gesellschaft und der Kirchenwände, und Tausende stehen vom eigenen inneren Zwiespalt zwischen Kopf und Herz geängstigt und erschüttert vor dem Spruch, den die Gegenwart mit hundert Zungen ausspricht:
„Wo Glaub’ allein herrscht, wo ist da der Geist?
Und wo der Geist herrscht, wo ist da der Glaube?
Denn wo der Adler in den Wolken kreist,
Verschwindet aus dem Raum des Lichts die Taube.
Die Taube muß sich scheu in’s Dunkel schmiegen,
Und nur der Adler kann zur Sonne fliegen.“
Wo fehlt es Dir? Macht Dir Deine Brust Angst um sich selber? Drückt der schwere Athem Dir alle Freuden des Lebens nieder? Komm’ mit nach Pau! Da findest Du Leidensgenossen ein Paar Tausende, aber alle voller Hoffnung, daß ihrer die Erlösung harrt von ihrem Uebel. Freilich geschieht dies auch hier nicht immer durch die weiche, milde Luft, die von keinem rücksichtslosen Wind in Zug geblasen wird, sondern manchmal auch auf die andere Weise, von der man nicht gern spricht. Aber trotzdem verdient Pau das Vertrauen, welches die Leidenden auf sein wonniges Klima und heilkräftiges Wasser setzen, und die alte Stadt mit ihrem berühmten Schlosse ist auch in mancher andern Beziehung ein beachtenswerther Ort; Lage, Bauart, Bewohner, Geschichte geben ihr vielfaches Interesse.
Die gewöhnliche Reisefahrt von Deutschland aus nach Pau führt, wenn der Bewohner unserer Meeresküsten nicht die Seereise vorzieht, um über Bayonne oder Bordeaux dahin zu gelangen, über Paris, Orleans, Tours, Poitiers nach Bordeaux und von da am angenehmsten über Dax in das alte Land Bearn, dessen Hauptstadt Pau einst gewesen ist. Gleich hinter Dax verläßt der Wanderer die Tiefebene, die ihn bisher umgeben hat, und steigt zu dem Gebiete der niederen Pyrenäen hinauf. Es ist eine Art Fegefeuer mit himmlischer Fernsicht, was er zunächst um und vor sich hat: das einförmigste Haidegebiet dehnt sich ringsum aus, aber jenseits der trostlosen Hügelzüge winken die Riesen des Hochgebirgs mit ihren schneebedeckten und eisgekrönten Häuptern.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/162&oldid=- (Version vom 14.12.2025)