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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Anders gestaltet sich das Landschaftsbild, wenn wir Pau selbst vor uns haben. Die Stadt liegt am Saume eines Plateau’s, durch welches das schöne Thal des Gave de Pau beherrscht wird, wie auf einem Erker vorgeschoben, und zwar augenscheinlich in der Absicht, den glücklichen Bewohnern einen durch nichts unterbrochenen Halbrundblick auf die Kette der hohen und niederen Pyrenäen zu eröffnen und auf den, zwischen beiden wie ein dreispitziger Thurm hervorragenden Pik von Ossau. Am vollständigsten genießt man diese Augenweide auf dem Platze vor der Kirche St. Martin, die wie auf einem vorgeworfenen Balkone steht, ferner auf dem Spaziergange des Place Royal und auf der künstlichen Plattform des Schlosses. Von diesen Standpunkten aus sehen wir die Berge in langen vom Schimmer des ewigen Schnees erglänzenden Linien sich im Süden der Stadt ausbreiten. Ihr Anblick ist entzückend im ersten Morgenlicht, aber häufiger bewundert bei Sonnenuntergang. Zu den Füßen des Hochgebirgs lagern sich die Hügelzüge der niederen Pyrenäen, reizende Thäler bildend, die zu baumreichen Auen zusammenlaufen und von den Flüssen Hedas und Ousse malerisch durchzogen werden. Beide nimmt die gebirgfrische Gave auf, die im steinigen, von immergrünen Ufern begleiteten Bette dahinrollt, und mit der prächtigen, hohen und breiten Brücke, die unsere Stahlplatte zeigt, zum Hauptschmuck des Vordergrundes dieses Landschaftsbildes gehört. Diese Brücke verbindet die Stadt, welche am rechten Ufer von den Hügeln bis zum Fluß herabsteigt, mit dem Flecken Jurançon, der sich zwischen den Hügeln und Feldern des linken Ufers ausbreitet und da den besten und gesuchtesten Wein der Gegend (le vin de Jurançon), den Nektar des Gebirgsbewohners, erzeugt. Die Lage von Pau, das sich zum größeren Theile auf den Hügeln ausdehnt, welche den Fluß auf seiner rechten Seite begleiten und sich in die Hochebene des Landes verziehen, hat einige Aehnlichkeit mit der von Salzburg, wird aber von letzterer an Mannigfaltigkeit, Schönheit und Großartigkeit überragt.
Die Stadt Pau ist nicht nur die bedeutendste Frankreichs in solcher Nähe der Pyrenäen, sondern sie gilt bei ihren eigenen Bewohnern neben Paris für den einzigen Ort großstädtischer Geselligkeit im ganzen Reiche. Der letztere Anspruch ist neuesten Datums und eine Folge des Zustroms von Fremden zu den heilkräftigen Lüften und Gewässern der Gegend. Die Bevölkerung der Stadt ist seit dieser Zeit von 14,000 auf 20,000 gestiegen. Gäste vom September bis Mai oder Juni zählt man jährlich über 2000. – Pau ist regelmäßig gebaut und hat breite, freundliche Straßen. Mauern und Thore sind verschwunden, reizende Spaziergänge nehmen zum Theil deren Stelle ein. Der besuchteste führt vom Platze St. Martin zu den Alleen des Schlosses und von da zu der sogenannten Basse-plante, einem Spaziergange, den man einen Vorsaal des großen Parks nennen könnte. Auch dieser bietet viel Anmuthiges an Wegen, Pfaden, Gruppen und Fernsichten. Von der Basse-plante kann man zur Haut-plante gelangen, die eine neue stattliche Infanteriekaserne schmückt. Die meisten Häuser Pau’s sind mit Schiefer gedeckt und einzelne Straßen zeugen von Geschmack und Wohlstand zugleich. Außer der oben erwähnten
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 154. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/163&oldid=- (Version vom 14.12.2025)