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Brücke führen noch mehre über die Gewässer von Pau. Nur das Trinkwasser muß eine einzige Quelle liefern, die allerdings aus sechs Röhren reichlich fließt. In der Nähe der Stadt sind noch zwei andere Quellen, die der Feen, welche Heilkraft besitzt und zu Bädern benutzt wird, und die der Saracenen, so genannt, weil diese, solange sie Herren von Pau waren, sich derselben ausschließlich bedienten. – Gegenwärtig ist Pau als Hauptstadt des Departements Nieder-Pyrenäen der Sitz des Präfekten, ferner eines Unterpräfekten, zweier Friedensgerichte, eines Gerichtshofs erster Instanz, eines Civil- und Handelstribunals, eines Einregistrirungs-, Etappen- und Sicherheitsamtes für Gold- und Silbergefäße und dergl. Behörden aller Art. Pau hatte seit 1724 auch eine Universität; Ludwig XIV. hatte sie gestiftet und die Stadt ihm dafür eine Erzstatue auf dem großen Platze vor dem ehemaligen Kapuzinerkloster errichtet. Die erste Revolution hob die Anstalt auf und stürzte den Bronzekönig vom Postamente. Dagegen besitzt es noch die 1721 gegründete Akademie der Wissenschaften und schönen Künste, ein Collége, eine Bibliothek, Handelsschule, Normalschule, mehre Gesellschaften und andere Institute für Förderung von Bildung und Wohlstand. Die berühmtesten Ausfuhrartikel von Pau sind die unter dem Namen Mouchoirs de Bearn bekannten leinenen Schnupftücher, der bereits genannte Jurançonwein und die geräucherten Gänsekeulen und Schinken, welche als Bayonner Schinken in die Welt gehen.

Die Bewohner von Pau sind, wie die Bearner überhaupt, größtentheils Basken, Nachkommen der alten Venarner oder Benarner, ein kräftiges Gebirgsvolk. Man rühmt sie gegenwärtig als fleißige und redliche Leute, tüchtig bei der Arbeit wie unter den Waffen. In früherer Zeit waren sie ein freiheitsstolzes Geschlecht. Die Fürsten von Bearn waren von einer mächtigen Landesvertretung abhängig. Auch die Rechtspflege war volksthümlich. Gewöhnliche Streitigkeiten unterlagen dem Spruch von Volksgerichten, das höchste Gericht bestand aus den Bischöfen von Lescar und Oléron und zwölf Baronen. Später errichtete man zu Pau ein ordentliches Hofgericht, welches unter Ludwig XIII., dem ersten Unterdrücker des Protestantismus in Pau und ganz Bearn, um 1620 in ein Parlament für Navarra und Bearn umgewandelt wurde. Die Revolution machte durch ihre Folgen allen diesen Volksherrlichkeiten ein Ende. Jetzt ist, trotz der vermehrten Bevölkerung, während der Ferien des Fremdenzugs die Stadt ziemlich still und ruhig; ja, deutsche Reisende wollen sogar vor den Palais der Post und der Präfektur schönes Gras zwischen den Pflastersteinen entdeckt haben.

Zum Hauptgegenstand unseres Bildes, dem Schloß von Pau, gelangen wir am angenehmsten auf einem Gange durch die Geschichte der Stadt. Veranlassung zur Errichtung von Befestigungen in dieser Gegend gaben die Mauren. Sie brachen nicht selten durch die Engpässe der Pyrenäen verheerend in Bearn ein. Hier herrschten, seit Ludwig dem Frommen, nicht mehr die Herzöge von Gascogne, sondern eigene Vicomten unter des Kaisers Hoheit. Gegen das Ende des 10. Jahrhunderts erbaute der Vicomte Gaston I. ein Schloß an der Südgrenze