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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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und weilte mit seiner Mutter, drei Kindern, seinem Schwager Mustapha Ben Tschann und noch 22 Personen, theils Familiengliedern, theils Dienern, in den Räumen des Schlosses, bis ihm von der Regierung der Republik das Schloß Amboise als Wohnsitz angewiesen wurde. Während Abd-el-Kader noch Gefangener in Pau war, ließ man sich zu der eben nicht noblen Ironie verleiten, einen Trompeter, Escoffier, der lange Zeit Abd-el-Kaders Gefangener gewesen war, zum – Kommandanten von Schloß Pau zu ernennen. Als Frankreichs Präsident, Louis Napoleon, Kaiser der Franzosen geworden war, setzte er die von seinem Vorgänger begonnene Wiederherstellung der stolzen, vielthürmigen Burg der Valois fort und vollendete sie so weit, daß er sie der Herzogin von Hamilton, geborenen Prinzessin von Baden, seiner Verwandten, zum Winteraufenthalte anbieten konnte. Dadurch hat sich für Pau der alte Glanz seiner fürstlichen Tage erneuet, und der alte Bau seines Schlosses steht vielleicht von nun an wieder fester, wie manches der neuesten Häuser voll jüngster Pracht. –
Was hat das Schicksal schon zu thun gehabt, so lange die Welt steht! – Welcher unerschöpfliche Reichthum, welche unermeßliche Mannigfaltigkeit der Geschicke! Wem schwindelt nicht vor diesem Gedanken, wenn er mit dem Auge über die erste beste Landkarte dahinfährt? Aus der Mitte Deutschlands über Hunderte von Städten hin, zwischen denen Tausende von Dörfern liegen, alle mit Leben erfüllt voll täglichen, ja stündlichen Auf- und Niederwogens der Verhältnisse, gelangen wir mit dem Finger zum äußersten Ende Frankreichs, – da ist ein kleiner Punkt, der heißt Pau, und was ist dort Alles geschehen seit den 10 Jahrhunderten seiner erkennbaren Jahresringe! Dynasten haben sich ermordet, Familienblut ist auf des Schlosses Dielen geflossen, der Krieg hat gewüthet, die Wolkenbrüche des blutigen Schicksals haben das Land überschwemmt, und die hellen Bäche des Friedens haben die Lachen weggewaschen und fortgeströmt in das Meer der Vergessenheit. Dieses Meer des Schicksals ist ganz wie das andere, alle Quellen und Bächlein, Flüsse und Ströme fluthen hinein, und es wird nie voller. Was ist des Einzelnen Geschick in diesem Meere des Schicksals? Was ragt daraus hervor, als die Wogen, welche oben schwimmen? Wie viel ist Dessen, was sie bedecken! – Und dennoch behält das Bächlein seinen Werth und läuft der Strom seine Bahn unbeirrt so fort. Nur der Unterschied zwischen beiden ist groß.
Der Unterschied der Geschicke besteht weniger darin, wie weit Einer gesehen wird, als darin, wie weit Einer sieht. Haben Viele schon gar hoch gestanden, und ihr Blick reichte nicht über ihre nächste Umgebung. Der Geist ist des Geschickes Schmied. Die Vertheilung, Tüchtigkeit und Pflege dieses rastlosen Gesellen erzeugt die Unterschiede, nach welchen das Schicksal die Loose des Einzelnen zuschneidet. Sie bestimmen die Sehweite seines
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 157. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/166&oldid=- (Version vom 14.12.2025)