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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Ein südlicher Himmel und ein südliches Meer, und zwischen beiden Schiffsmasten und Dampfsäulen, Kirchthürme und Fabrikschlöte, – wohin wird das Bild uns führen? Wohin anders, als nach dem Süden Nordamerika’s? Laß uns nur erst an das Land kommen, da werden die vielen Schwarzen, welche Massa zu ihrem Herrn sagen, und die vielen Weißen, welche gelb aussehen und von denen Jeder ein Master von vielen Schwarzen ist, Dich überzeugen, daß wir eine große Stadt des blühendsten Sklavenstaats der Union vor uns haben.
Man thut wohl daran, in Charleston von der Seeseite anzukommen. Die Lage derStadt ist so, daß sie dann zu jeder Tages- und Jahreszeit einen reizenden Anblick gewährt. Du magst vom Norden oder Süden, von Wilmington mit dem täglichen Dampfer, oder gar von Neuorleans herauf kommen, so wird die Einfahrt in die Bucht von Charleston Dich freudig aufregen. Da liegen zuerst die drei Forts vor Dir, errichtet gegen mißliebige Gäste; dann steigen mehre kleine Inseln aus der Fluth empor, und aus ihrem frischen Grün lachen Dir heitere Wohnungen entgegen. Und endlich dehnt sich vor Dir die lange Linie der Häuser am flachen Ufer aus, zum Theil verdeckt von den Segel- und Dampfschiffen des Hafens. Ueber dem langgestreckten lebendigen Durcheinander der Land- und Wasserhäuser hat aber ein grüner Waldsaum seinen ruhigen und lockenden Hintergrund aufgeschlagen.
Charleston liegt auf einer schmalen Landzunge, welche zwischen den Mündungen der beiden Flüschen Ashley und Cooper in die Bucht heraus läuft. Der tiefe und geräumige Hafen mit Schiffswerften, Kays und Waarenlagern liegt auf der der Coopermündung zugekehrten Stadtseite. Auf der Festlandseite verbindet ein Bach beide Flüßchen, aber so nahe der Mündung, daß in ihm das süße und das Salzwasser sich mischen. Dieser Bach bildet die Grenze zwischen dem gelben Fieber, welches die Stadt so sehr im Wachsthum ihrer Bevölkerung hemmt, und dem Landfieber, welches seine Verheerungen in den feuchten und sumpfigen Strecken des Süßwassergebiets anrichtet. Was in Europa zu den schönsten Genüssen des Lebens gehört, ein Sommeraufenthalt auf dem Lande, wäre in Charleston jedes Weißen Tod. Hier bringt der Wohlhabende den fieberfreien Winter auf dem Lande zu,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 161. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/170&oldid=- (Version vom 14.12.2025)