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auch als dieses Ehrenwerkes Meister genannt. Die achte Windung bringt uns dem Sturz des Madesimo gegenüber; wir haben die ganze Tiefe seines Falls unter uns. Hier war es nicht mehr möglich, den Weg weiter außen am Fels hinzuleiten, er mußte durchbrochen werden. So entstanden drei hochgewölbte Stollen, von welchen der erste uns dem Wasserfall noch näher führt; von da beschreiten wir die neunte Windung der Straße, kommen durch das zweite Felsenthor zur zehnten Windung und mit Hülfe dieser zum dritten Stollen, folgen einer Einbucht des Weges rechts in eine Felsenschlucht und betreten hierauf die erste der berühmten Galerien der Splügenstraße.

Diese Galerien sind zum Schutz der Straße gegen die zerstörenden Wirkungen der Lawinen gebaut. Sie bestehen aus festem Quadersteingemäuer, das sich so dicht an den Berg anschließt, daß es mit ihm rein verwachsen erscheint und daß die Bedachung der Gewölbe nur eine Fortsetzung des Bergabhangs bildet. Unsere Stahlplatte zeigt dies vortrefflich. Die von der Höhe selbst mit der furchtbarsten Gewalt herabstürzenden Lawinen und Felsbrocken rutschen und rollen über das schräge Dach hinweg jenseits in den Abgrund. Gegen die Abgrundseite ist das Gemäuer durch sehr starke Pfeiler gestützt und mit schießschartenartigen Licht- und Luftlöchern versehen. Im Winter, wo diese Löcher sich mit Eis und Schnee voll setzen, werden die Galerien durch Laternen erhellt. Uebrigens gelten die Galerien des Splügen für die längsten, die je auf Bergstraßen erbaut worden sind.

Die erste Galerie, die durch einen Durchbruch in der Mitte in zwei Hälften getheilt ist, mag ungefähr 200 Schritte lang sein. Am Ausgang rechts sagt uns eine Höhentafel, daß wir 1400 metri sul livello del mare stehen. Hier braust unter einer starken Brücke der Madesimo vorüber und eilt wenige Schritte links seinem ungeheuren Sturze zu. Jenseits der Brücke führen zwei Seitenmauern zu einer Art Kanzel neben dem Wasserfall hinaus; hier kann ihn das Auge in seiner ganzen Pracht bis in den Abgrund übersehen. Dieser Standpunkt gehört nicht zu den Plätzchen, wo man sich gemüthlich niederläßt, sondern zu den grausenerregenden Dingen, die auf diesem Wege die Seele des Menschen durchschauern.

Wir kommen nun, noch immer steigend, zu dem armen Dorfe Pianazzo. Die Leute saßen feiertagfroh vor den Thüren, und die Kinder spielten „auf der Gasse.“ Hinter dem Dorfe windet sich die Straße abermals in großem Bogen aufwärts, führt uns wieder vor bis an den Rand des Abgrunds der Cardinellschlucht, noch einmal sehen wir Isola in seinem Felsengrabe liegen, wenden uns mit dem Wege und erblicken zwei scheinbar auf einander gebaute Galerien. Der Irrthum löst sich, nachdem wir eine neue mächtige Straßenwindung betreten haben. Wir überschreiten auf einer stattlichen Brücke eine tiefe Schlucht und stehen vor der ersten der beiden unten gesehenen Galerien. Sie ist 1530 Fuß lang. Noch eine Krümmung der Bahn, und wir durchwandern die andere von 642 Fuß Länge. Hinter derselben bringt uns ein Rückblick das Bild vor Augen, welches der Gegenstand