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Avignon.




Es hilft nichts, daß der Himmel eines Paradieses sich über Fluren und Menschen wölbe, es hilft nichts zur Verschönerung der Fluren, daß dem Menschen Alles geboten sei, was ihm sein Stück Erde zum wahren Eden erheben könnte, es hilft nichts zur Veredelung des Menschen, daß Himmel und Flur ihm den Finger Gottes auf jedem Schritte zeigen, – wenn in den Häuptern der Menschen der Wahn und in den Herzen die Rohheit die Alleinherrschaft ausüben durch Reihen von Jahrzehnten, ja durch Jahrhunderte.

Socrates trank unter Griechenlands ewig lachendem Himmel den Giftbecher, so hatte es der Wahn der Vielgötterei und der Herrschsucht geboten gegen den freien Denker und standhaften Gläubigen an Ein höchstes Wesen. Der Wahn siegte, und die Rohheit triumphirte. Jesus Christus wandelte im prächtigen Morgenlande von Hütte zu Hütte, von Tempel zu Tempel, von Stadt zu Stadt, um mit der Macht des Geistes den Wahn zu brechen, mit heiliger Liebe die Rohheit aus den Herzen zu bannen, „dem Tode seinen Stachel und der Hölle den Sieg“ zu entreißen, und darum starb er am Kreuze. Wer zählt die Märtyrer der Religionen! Wer zählt die Opfer der Glaubenstreue seit jenen weltgeschichtlichen Trauertagen von Athen und Golgatha, Rom und Kostnitz, Sevilla und Genf! Und wer zählt die Henker der Unglücklichen unter all’ den lachenden Himmeln, von welchen Gottes Sonne erleuchtend herabsah auf Kreuze und Arenen, Kerker und Galgen, Marterbänke und Scheiterhaufen!

Und was hilft alles Streben und Ringen der Edelsten und Besten unter allen Himmelsstrichen für das irdische Wohl der Völker und Nationen, wenn die Herzen ganzer Generationen hohen und reinen Gefühlen nicht zugänglich und die Häupter dem Strahle des Geisteslichts verschlossen sind? Da reißt die Rohheit die Früchte der Liebe zur Menschheit in den Koth der Selbstsucht, und der Wahn nennt es Recht und Freiheit, mit dem Schwerte der Herrschgier Rache zu üben bis zur Uebersättigung. Es führt zu Einem, ob die Massen der Wahn erfaßt, oder die Rohheit in deren Lenker fährt, es führt immer Schaaren Unglücklicher zur – Seufzerbrücke und Seufzerbrücken sind aufgebaut unter jedem Himmel für den letzten Gang in Elend und Tod.