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finden wird, von Johann XXII., fortgesetzt und vollendet von seinen Nachfolgern Benedikt XII. und Klemens VI., ungefähr von 1320 bis 1350.

Wir folgen in das Innere einem kundigen Führer. Gleich beim Eingang der Burg, sagt er uns, betritt man die Küche des Papstes, jetzt eines französischen Infanterieregiments. Die Kapelle, ein Meisterstück des reinsten gothischen Styls, ist zu Schlafsälen der Soldaten verbaut. Die Deckengemälde sind übertüncht bis auf eines, das eine Versammlung von Heiligen darstellt. Ueber der Kapelle ist die Rüstkammer, mit rohen Schildereien (wahrscheinlich in späterer Zeit) ausgemalt. Durch einen weiten Hofraum führt der Weg zu dem Theil des Schlosses, wo die Inquisition ihr Wesen trieb. An der Eingangsthür steht ein monolither Kessel, der zur Probe des siedenden Oels gedient haben soll. Dicht darneben ist ein in die Mauer eingehauenes Kerkerloch, ohne Licht und ohne Raum zu der nothwendigsten Bewegung, ein steinerner Sarg, in welchem dem armen Opfer Wochen oder selbst Monate Zeit gegeben wurde, sich durch Aufreibung aller sittlichen Kraft auf das Erscheinen vor dem heiligen Gerichtsstuhl vorzubereiten. Einige Schritte weiterhin folgt eine zweite Kerkerhöhle dieser Art. Den Gerichtssaal der Inquisition bezeichnet die halbverlöschte Inschrift: „In dextra gladium teneo“ (in der Rechten halte ich das Schwert). Unmittelbar daran stößt die Folterkammer. Klafterdicke Mauern ohne Fenster machten dieses kellerartig gewölbte Gemach undurchdringlich für jeden Schrei der wüthendsten Qual und Verzweiflung. Der Kamin, in welchem die Foltereisen geglüht wurden, grinzt dem Besucher wie ein Teufelsrachen entgegen. Von hier blickt man durch eine Maueröffnung in den inneren Raum der – Glacière: die Stätte der zweiten Blutsündfluth von Avignon. Glacière d’Avignon und der 16. Oktober 1791! bleibt ein Mahnruf, der in Avignon die Herzen erbeben macht. Dieser „Eiskeller“ der Päpste wurde an jenem Revolutionstage das Grab von 8000 Menschen jedes Alters und Geschlechts! Jourdan, der Coupe-tête (Kopfabschneider), leitete dies Menschenabschlachten in dem oberen Stockwerk des runden Thurmes, mit welchem der Eiskeller überbaut ist. Noch jetzt sieht man die Spuren der Blutströme, die durch das runde Loch oben herein und an den Mauern herabflossen. Leichen und Köpfe stürzte man durch dieselbe Oeffnung hinab. – Die Schreckensherrschaft der Revolution marterte wenigstens nicht lange, sie machte es kurz. – Folgen wir wieder dem Gefangenen der Inquisition; er hat nur noch zwei Schritte bis zu seinem schrecklichen Ende. Der erste führt ihn in eine kleine Kapelle, wo er im Sünderhemde und mit der Kerze in der Hand Kirchenbuße thun mußte. Sein Platz war eine Nische in der Mauer neben einem kleinen Fenster, aus welchem – und das ist die Erfindung der raffinirtesten Bosheit! – der Blick des armen Opfers noch einmal auf die Herrlichkeit des Himmels der Provence und auf das ewig grünende, blühende Land fiel! Dann ein Schritt aus der Kapelle und der Verurtheilte stand auf der Brandstätte in einem trichterförmigen Thurme, der oben eine Schornsteinöffnung hat, noch schwarz vom Ruß dieses Satansherdes! – –