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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Kamehameha IV., trat, den neuesten Berichten aus Honolulu (Juli 1857) zufolge, nach dem Vorgange verschiedener europäischer Monarchen, in den 1842 dort gestifteten Freimaurerorden.
Honolulu zählt nach älteren Angaben 10–12,000, nach W. Heine („Reise um die Erde nach Japan etc.“ in den Jahren 1853, 1854 und 1855) nur 5–6000 Einwohner; auch Gerstäcker nennt es „ein kleines freundliches Städtchen.“ Thatsache ist es, daß die Bevölkerung der Sandwichsinseln seit der Entdeckung derselben und dem Eindringen der Europäer und deren Kleider, Genüsse und Sitten sich bedeutend vermindert hat; aber eben so offenbar ist die durchgängige Unsicherheit solcher Zahlenangaben. Johnson gibt z. B. für das Hawajische Königreich eine Volkszahl von 446,600, Andersson von 80–100,000 an, aber beides sind Schätzungen, die auf keiner Zählung beruhen. – Die Natur hat Honolulu einen trefflichen Hafenschutz gebaut durch einen Kranz von Korallenbäumen, die sich in einiger Entfernung vom Strande aus dem Krystallspiegel der Fluth erheben und nur an einer Stelle eine Lücke zur Einfahrt frei lassen. Rings um die Korallenmauer tobt die schönste Brandung. Von der Stadt selbst ist noch kein bestimmter Charakter zu erwarten. Hier laufen noch alle Kulturgrade durch- und nebeneinander. Zwischen den Hütten aus Stroh- oder Schilfgras, in denen sich der Eingeborene allein heimisch findet, stehen die aus China und Nordamerika eingeführten hölzernen Häuser, die wiederum von den Steingebäuden der Regierung und einzelner Privaten überragt werden. Von besonderer Festigkeit sind die aus Korallenblöcken aufgeführten Bauten. Drei Kirchen, der königliche Palast und das Fort am Hafen, das Regierungsgebäude, das Repräsentantenhaus und das neue geräumige Markthaus dicht am Werft sind die hervorragendsten Bauwerke.
Wie die Wohnungen zeigen die Trachten und Sitten alle Abstufungen von der adamitischen Einfachheit, die unser Stahlstich andeutet, durch den chinesischen fast weibischen Luxus bis zur europäischen Allerweltstracht mit den glatten Formen und Gebrechen der feinen Gesellschaft. Die Eingeborenen lieben bunten Schmuck und die Frauen besonders grellen Blumenputz im Haar, das nie geflochten wird, sondern in langen schönen Locken niederwallt. Aus allen Gesichtszügen der gelbbraunen, schwarzhaarigen Bevölkerung tritt der Ausdruck der Gutmüthigkeit hervor. Wir sehen in ihnen, besonders abseits von der Hauptstadt, in den reizenden Thälern, an denen die Inseln so reich sind, noch gute Kinder der Natur, glücklich im engen Kreis ihrer Bedürfnisse, die Männer der Arbeit, freilich mäßig, die Weiber dem Vergnügen fast ausschließlich lebend.
Nachdem aber der Civilisation das Thor zu diesen Inseln einmal erschlossen ist, wird es die für das stille Glück unglückliche, für großartigen Weltverkehr höchst glückliche Lage derselben zwischen drei Welttheilen, von denen zwei (Amerika und Australien) ihre Zukunft erst aufbauen und der dritte (Asien) an ein Wiedererwachen seiner
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 219. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/228&oldid=- (Version vom 19.12.2025)