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Burg Landsberg bei Meiningen.




Eine Idylle im Ritterkostüme auf lieblichem Hügel in einem Thale des Friedens! – Vor uns stehen Mauern und Zinnen, Warten und Schießscharten, aber nicht bestimmt, einem Feinde zu trotzen, sondern dem fürstlichen Erbauer zu einem gemüthlichen Lug-ins-Heimathland zu dienen und den Bewohner des Landes, wie den Wanderer aus der Ferne zum Genusse von mittelalterlichen Erinnerungen und Kunstwerken moderner Hand einzuladen; mehr will er nicht sein, unser Landsberg, das neue Bergschloß des Herzogs Bernhard Erich Freund von Sachsen-Meiningen.

Wer vor zwanzig Jahren auf der untern Werrabrücke der Stadt Meiningen stand, sah das Thal nach Norden von einem Kalksteinhügel begrenzt, der sich öde und traurig aus dem Wiesengrün emporhob. Die Burgtrümmer auf seinem Rücken lagen am Boden, nichts Erhebendes versöhnte mit seinem Anblick. Früher war und jetzt ist das anders. Die Lage der isolirten Höhe zwischen drei belebten Straßen, dem alten Thalwege im Werragrund, der alten Frankenstraße und der Straße in das sogenannte Sandland, war zu lockend für die Burgengründer des Mittelalters, um lange unbenutzt zu bleiben. Urkundlich ist erwiesen, daß die nahen Orte Meiningen, Vachdorf und Leutersdorf unter König Heinrich I., dem Städtebauer und Hunnenbesieger, ihre Befestigungen erhielten. Da nun Walldorf und Meiningen damals Reichsdomänen waren, so spricht Vieles für die Wahrscheinlichkeit, daß auch auf dem heutigen Landsberg schon zu jener Zeit (zwischen 924–930) eine feste Burg erbaut worden sei. Am deutlichsten spricht aber dafür der Name jener ältesten Burg: sie hieß „Landeswehr“ und der Berg, „der Landwehrberg.“

Wenn dies der Ursprung der alten Burg ist, so haben wir damit den interessantesten Theil ihrer Geschichte erzählt. Später hatte sie das Schicksal von Hunderten ihres Gleichen in Thüringen, Franken und Schwaben. Lange Zeit sammt der Stadt Meiningen und deren Umgegend Besitzthum der Bischöfe von Würzburg, welche Burgmänner daselbst hielten, blieb sie am längsten in der Hand des Geschlechts der Wolfe, die jedoch in jenen Blüthentagen des Faustrechts ebenso oft die Grafen von Henneberg, von deren Gebiet Meiningen und Landeswehr rings umschlossen waren, ihre Lehnsherren nennen mußten. Burg und Berg mit den Hofstätten am Fuße desselben waren wieder würzburgisches Kammergut geworden, als der Bauernkrieg 1525 der Herrlichkeit auf der Höhe