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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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ein Ende machte. Ein hoher Thurm und einige Thor- und mächtige Mauerreste mit hohlen Fensterluken bedeckten den Landwehrberg, als derselbe sammt Meiningen 1542 an Henneberg und endlich, 1583, an das Haus Sachsen kam. Der dreißigjährige Krieg hatte hier nur den Meierhof mit allem Zubehör zu verwüsten, that dies aber so gründlich, daß noch lange nach dem westphälischen Frieden sich Niemand zum Wiederanbau der hier entstandenen Wildniß entschließen wollte. Nach der Ländertheilung des Herzogs Ernst des Frommen ward Meiningen durch Herzog Bernhard I. Fürstensitz; man verwendete nun die Steine der Ruine Landeswehr zum Schloßbau in Meiningen und sprengte den letzten Stolz des Hügels, den hohen Thurm, mit Pulver. Dies geschah imJahre 1685. Ein zerborstener Theil dieses Thurms liegt noch heute, quer und fest wie sein heidelberger Schicksalsgenosse, auf dem Fundamente seiner Vergangenheit. Seitdem machte der Name „Landwehrberg“ dem kürzeren „Landsberg“ Platz.
Diesen Namen erhielt auch das neue Schloß, dessen Bau im Jahre 1836 begonnen und nach dem Plane und unter der Leitung August Döbners, des herzogl. Baumeisters, bis 1840 in den Hauptmassen vollendet wurde. Das Ganze besteht aus dem mit drei starken Eckthürmen und zwei hohen Plattformen zierend umgebenen Hauptbau und zweien durch Bogengänge und Thormauern damit in Verbindung stehenden Nebenbauten, der Kastellanswohnung und dem Thorwarthause. Von diesem bis zu jenem zieht sich eine Ringmauer hin, die einen freundlichen Hofraum umgürtet und das alte Thurmgetrümmer noch mit umschließt. Neben letzterem führt eine Pforte zu dem zweiten neuen Schmuck des Landsbergs, zu der herrlichen jungen Waldanlage, aus deren frischem Grün das Schloß so heiter und anmuthig emporragt und durch welche schattige Fußwege zur ebenfalls neuen und von Dobner nach Schweizermanier erbauten Meierei am Fuße des Hügels führen. Unser Stahlstich zeigt uns Burg und Berg von dieser Seite.
Dem äußeren Bilde der Burg entspricht vollkommen das Innere. Die Anmuth herrscht im ganzen Bau vor und hält die Pracht im rechten Maße zur Größe der Räumlichkeiten. Das Mittelalter zeigt uns hier alle heiteren Seiten seiner Lebensformen, und wie Herzog Bernhard II. dasselbe angesehen wissen will, sagt uns der Spruch über dem Eingang der Waffenhalle:
„Nicht zurück wünschen laßt uns die alte Zeit,
Wohl aber der Ahnen Kraft und männlich Walten,
Nicht den Lehnsdruck, nicht der Ritter Eisenkleid,
Wohl aber die felsenfeste Treu’ der Alten.“
Die Waffensammlung selbst ist klein, aber wohlgewählt und geschmackvoll geordnet. Besondere Beachtung nimmt der großeSaal (50′ lang, 17½′ breit und ebenso hoch) in Anspruch wegen W. Lindenschmitt’s acht historischer Bilder aus der Vorzeit Thüringens, der trefflichen Glasmalereien, der reichen gothischen Schnitzereien am
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 226. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/235&oldid=- (Version vom 20.12.2025)