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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Holzgetäfel der Wände, des Credenztisches, der geschmackvollen Kronleuchter und der neuerdings dort aufgestellten sehr werthvollen Autographensammlung. Drei hohe Glasthüren verbinden diesen Saal mit der 3219 Quadratfuß großen nördlichen Plattform der Burg, die den Blick nach Norden und Osten frei läßt.
Das nordöstliche Thurmzimmer und das Lutherzimmer sind hauptsächlich mit Skulpturwerken Ferdinand Müllers ausgeschmückt, jenes mit einem beziehungsreichen Turnierfries, dieses mit Reformatorenstatuetten. Eine besondere Zierde des letzteren ist Kellner’s (in Nürnberg) Glasgemälde: „Der Tod der Maria.“
Im zweiten Stock des Schlosses fesselt uns im Mittelzimmer ein Bild, das alle heiteren Eindrücke der bisher durchwandelten Räume plötzlich verdüstert. Da sitzt der arme Tyrann auf dem Balkone, das abgefeuerte Gewehr im Schooße, im Gesicht das Zeugniß eines vom Glaubenswahn verbrannten Gehirns: „Karl IX. nach seinem ersten Schuß auf die Hugenotten in der Bartholomäusnacht“, Beck’s treffliche Kopie nach Wappers weltberühmtem Gemälde. Auch die übrige Zimmergesellschaft kann einem ehrlichen Deutschen das Herz nicht erleichtern: Kaiser Karl V., Tilly und Ferdinand II. von Spanien. Was die in den Freinächten der Geister während der heiligen Zeit da droben mit einander berathen mögen? – Offenbar um eine protestantische Opposition gegen etwaige Beschlüsse dieser gefährlichen vier Herren zu ermöglichen, hält im nordöstlichen Eckzimmer eine Versammlung von anderen Männern geheimen Rath: Ernst der Fromme, Bernhard von Weimar, Gustav Adolf, Philipp der Großmüthige und Friedrich von der Pfalz; Erzengel Michael, der Drachenbesieger, ist ihnen sinnig zugesellt, letzteres ein feines Holzrelief. – Nachdem wir noch die Laube, das Spruch- und das Stammbaumzimmer, deren Bestimmung und Hauptschmuck durch die Bezeichnung erklärt ist, betrachtet haben, besteigen wir vom ebenfalls noch zimmerreichen dritten Stock aus die Schneckenstiege des 120′ hohen Hauptthurms, auf dessen freier Zinne wir 456′ über dem Spiegel der Werra und 1343′ über der Nordseefläche stehen.
Gleichwohl kann die Aussicht in das von höheren Bergen begrenzte und an sich schmale Thal der Werra nur eine beschränkte sein. Außer den fern herüber schauenden Köpfen der Rhön und des Thüringerwaldes sind die Berge der Nähe, Geba und Dolmar, die Zierden des Rundbildes, welches gegen Süden die untere Vorstadt von Meiningen, nach Norden die berühmte Tabaksstadt Wasungen mit den Trümmern der ehemaligen Burg Maienluft (im Hintergrund unseres Stahlstichs sichtbar) und außerdem noch zwischen Feldern und Wiesen und an Waldrändern und kahlen Höhen 8 Dörfer und 4 Einzelhöfe, die Meierei des Landsbergs eingeschlossen, in sich faßt. Anstatt der Aussicht erquickte mich auf der Thurmzinne bei Hinabblick auf das Schloß eine wohlthuende Einsicht. Vergleiche, lieber Leser, die Jahre vor der Julirevolution, wo die großen Sonnenblumen der ersten Restauration blühten, mit der Gegenwart: damals wieder, wie zu Ludwigs XIV. Zeit, war Paris die Sehnsucht aller Prinzen, und nur das Ausland bot standesmäßige Bezugsorte für alle feineren Bedürfnisse der höheren Regionen. Was
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 227. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/236&oldid=- (Version vom 20.12.2025)