Seite:Meyers Universum 18. Band 1857.djvu/244

Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Maffei’s Maschinenfabrik in der Hirschau bei München.




Joseph Meyer, der Gründer dieses Werks und vieler anderen Werke der Literatur, der Kunst, der Industrie und der Wohlthätigkeit, die noch lange von ihm zeugen werden, wenn auch die Unbill der Zeiten und die Beschaffenheit mancher Verhältnisse und vieler Menschen dem großen Manne nicht vergönnten, selbst Früchte zu sehen gerade an dem Baum, den er gepflanzt hat mit all’ seiner Kraft, genährt mit dem Blut seines Herzens und begossen mit dem Schweiße seiner unglaublichen Mühe und Arbeit, – Joseph Meyer, nicht bloß für Thüringen und Franken, sondern auf den wichtigsten Gebieten für ganz Deutschland ein Prophet der Industrie, hat schon vor mehr als zwanzig Jahren und zugleich mit seinem Freund und ebenbürtigen Leidensgenossen, Friedrich List, dem deutschen Volke zugerufen: „Eisen ist die Grundmauer der Civilisation! So weit, schrieb er damals, ist es gekommen, daß ohne Eisen ein Kulturfortschreiten gar nicht mehr denkbar ist. In Barbarei sänke die Menschheit zurück, würde ihr das Eisen genommen, und was in unseren Zeiten der Menschengeist Großes schafft, das könnte nicht gedacht, geschweige vollbracht werden ohne das Metall, welches die alte Zeit in der Reihe zu unterst gestellt hat. – Jetzt ist’s umgekehrt: nicht mehr Gold regiert die Welt, sondern das Eisen. Aber nicht als roher Stoff ist es die Grundmauer der Civilisation, sondern in seiner Verbindung mit Erfindung und Betriebsamkeit, mit Wissenschaft und Erfahrung, mit Kunst und Geschicklichkeit und allen den Thätigkeiten, die, auf den Erwerb irdischer Güter gerichtet, in der Gesellschaft hin- und herpulsiren von Jahr zu Jahr mit immer rascherem Schlage. In diesem Verstande ist das Eisen im Kreislaufe der irdischen Industrie Mittelpunkt und Herz. Was die Adern eingesogen, das sendet es vervollkommnet wieder aus in die fernsten Theile und zieht dafür rohere Säfte ein, um sie von Neuem zu veredeln: und in diesem ewigen Wechselspiel ist das Geld nur der Rechenpfennig, der dem Spieler Gewinn und Verlust anzeigt. – Aber nicht bei Worten blieb J. Meyer stehen, er bewies damals den Deutschen nicht nur, daß sie, trotz des unermeßlichen Reichthums an Kohlen und Eisen im Schooß des eigenen Vaterlandes, noch lange nicht fähig seien, nur so viel zu produciren, als jährlich an den deutschen Eisenbahnen abgenutzt werde, daß „dieser Mangel an Unternehmungsmuth und an Ehrgefühl“, wie er’s nannte, zur Verarmung Deutschlands riesenhaft beitrage durch die dem deutschen Fleiß entzogenen Millionen, mit denen