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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Es ist zum nicht geringen Theil das Verdienst dieser drei Männer, daß seit zwanzig Jahren die deutsche Eisen- und Kohlenproduktion so bedeutende Fortschritte gemacht hat, wie sie die Statistik des eisernen Deutschlands gegenwärtig darlegt. Cockerill, nur Mann der That und vollkommenster Kosmopolit, wirkte durch das Beispiel, durch die Riesenwerke seiner industriellen Zauberkraft, und er arbeitete nicht gegen Deutschland, sondern für die ganze Welt. Meyer’s organisatorisches Genie ward noch gehoben durch seine Herrschaft über das begeisternde Wort, mit dem er seinen Ansichten und Unternehmungen in den weitesten Kreisen Bahn zu brechen wußte. List aber zog als national-ökonomischer Wegweiser einher für Regierungen und Kapitalisten, Kaufleute und Fabrikanten, und er ward behandelt wie ein Wegweiser: als sie die rechten Wege endlich erkannt und gemerkt hatten, gingen sie an ihm vorüber und überließen ihn dem Verderben. –
„Eisen und Kohlen gehören als Grundlage der Industrie zusammen, wie Brod und Wasser für das Leben“; wir machen deshalb einen eiligen Gang an beiden Produktionsmassen und ihren langen Zahlenreihen vorüber, und zwar an der Hand Heinrich Meidingers, der uns in seiner geographisch-statistischen Uebersicht über Deutschlands Eisen- und Kohlenproduktion in der Neuzeit zugleich eine Kohlen- und Eisenbahnkarte von Deutschland zur leichteren Orientirung mitgibt. – In der Eisenindustrie zeichnet sich besonders Rheinland und Westphalen aus; doch ist auch im übrigen Preußen, Oesterreich, Bayern und den kleineren deutschen Staaten der Aufschwung seit 1848 wahrhaft überraschend. Seit diesem bekannten Jahre entstanden in Westphalen allein nicht weniger als 16 große Bergbau- und Hüttengesellschaften. Gewonnen wurden im Jahr 1853 aus dortigen Erzen 603,525 Ctr. Roheisen in Gänsen und 118,064 Ctr. Gußwaaren, im Jahre 1854 aber schon 709,110 Ctr. Roheisen, 332,061 Ctr. Gußwaaren und 851,446 Ctr. Stabeisen, im Jahre 1855 1,513,039 Ctr. Roheisen und 1,126,025 Ctr. Stabeisen. Ganz Preußen erzeugte 1853 an Eisenerz 1,496,512 Tonnen, dagegen 1854 schon 2,144,149 Tonnen; – das Königreich Sachsen an Hochofenprodukten 1852 168,175 Ctr., 1853 175,637 Ctr.; – Bayern im Verwaltungsjahre 1849–1850 an Eisenerz 668,167 Ctr., 1852–1853 1,074,317 Ctr. bayerischen Gewichts. Oesterreichs Gesammtgewinn betrug an Roheisen 1830 1,437,836 Ctr., 1854 4,151,505 Ctr., an Gußwaaren 1830 151,637 Ctr., 1854 582,446 Ctr. Die Hochofenproduktion des Zollvereins ergab für 1851 4,612,102 Ctr., für 1854 dagegen 7,501,470 Ctr., also eine Zunahme von 64 Procent! Trotz dieser beträchtlichen Zunahmen mußte Preußen 1854 noch über 300,000 Ctr. aus Schottland und Belgien einführen; ebenso verarbeiteten die sächsischen Fabriken an 270,000 Ctr. Eisen mehr, als Sachsen erzeugte, und im Zollverein betrug 1854 die Einfuhr 2,661,111 Ctr. Roheisen und 239,219 Ctr. Stabeisen und Stahl. Dagegen stieg die Ausfuhr von Stabeisen schon 1854–1855 auf 580,142 Ctr. So läßt sich denn jetzt schon der Termin bestimmen, an welchem die industrielle Unabhängigkeit unseres großen Vaterlandes auf dem wichtigsten
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 237. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/246&oldid=- (Version vom 20.12.2025)