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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Felde gesichert ist und Deutschland mit England und Belgien ohne Schutzzoll wird konkurriren können. Seinen Eisenbahnschienenbedarf erzeugt es bereits größtentheils selbst. Die Walzwerke am Niederrhein, in Berlin und in Schlesien versorgen Preußen, das Walzwerk bei Zwickau versorgt Sachsen, das bei Burglengenfeld Bayern, und auch Oesterreich bezieht seinen Schienenbedarf nur noch aus einheimischen Werken. Allgemein anerkannt ist längst, daß die deutschen Schienen zwar theurer, aber auch um so dauerhafter sind, als die englischen. Die Eisen- und Stahlwaaren aus dem Bergischen und der Grafschaft Mark wetteifern sogar schon auf überseeischen Märkten mit den englischen, gehen zum Theil durch englische Hände nach Brasilien, Westindien und Mexiko; namentlich bezieht Westindien einen großen Theil der großen Schneid- und Haumesser für die Zuckerrohrernte jetzt aus Solingen. Die Eisenbahnwagenachsen, sowie die Kanonen und Glocken aus Gußstahl, eine ganz neue deutsche Erfindung, aus dem großen Gußstahlwerke von Krupp und Comp. in Essen verschaffen sich Weltruhm. – Dieser rasche Aufschwung der Eisenindustrie wäre unmöglich gewesen ohne den Aufschluß und mit Macht angegriffenen Abbau zahlreicher Steinkohlenlager und die Herstellung von Schienenwegen, um Eisenstein und Kohle einander möglichst nahe zu bringen und dadurch die Erzeugungskosten zu vermindern und den Absatz des Produkts zu erleichtern. Daher hielt denn die Kohlenproduktion gleichen Schritt mit der Zunahme des Bedarfs, der Gewinnung und Verarbeitung des Eisens. Ganz Deutschland producirte im Jahre 1854 ungefähr 195 Millionen Ctr., im Jahre 1855 weit über 200 Millionen; davon kommen auf Preußen über 136 Millionen Ctr., auf Oesterreich gegen 30 Millionen, auf Bayern 3,331,421 Ctr., das Uebrige auf Sachsen, dessen Hauptkohlenbecken bei Zwickau mit verstärkter Macht angegriffen wurde, und auf die anderen deutschen Staaten. Den großartigsten Fortschritt zeigten die Steinkohlenbauten an der Ruhr, wo 1855 nicht weniger als 2,300,000 Ctr. mehr als 1854, d. h. 17,700,000 Ctr., und im Essen-Werder’schen, wo sogar 6,500,000 Ctr. mehr als 1855, d. h. 34,680,000 Ctr. Kohlen gewonnen wurden. In den Jahren 1855 und 1856 entstanden sechs und zwanzig neue Kohlenbauvereine an der Ruhr, um die dortigen Lager des vorzüglichsten Brennmaterials auszubeuten. Gegenwärtig folgt Deutschland in der Kohlenproduktion gleich nach England, von dem es jedoch dermalen immer noch um ein Plus von 1000 Millionen Ctrn. übertroffen wird.
Daß auch diese Differenz nicht lange mehr so ungeheuerlich bleiben könne, dafür spricht nicht nur der rüstig vorwärts schreitende Bau deutscher Eisenbahnen und Dampfschiffe, sondern ebenso lebhaft der gegenwärtige Stand unserer Maschinenindustrie. Sie hat sich der Englands und Belgiens nicht nur gleich gestellt, sondern diese beiden im Lokomotivenbau bereits übertroffen. Nicht eine Lokomotive kommt, nach der Darlegung unseres Gewährsmanns, jetzt noch für deutsche Rechnung aus England nach Deutschland, wohl aber gehen deutsche Lokomotiven nach der Schweiz und nach Frankreich. Seit 1841 sind in deutschen und österreichischen Werkstätten
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 238. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/247&oldid=- (Version vom 20.12.2025)