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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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über 1300 Lokomotiven erbaut worden, davon bis Anfang August 1854 von der Borsig’schen Fabrik in Berlin allein 500. Die Fabrik von Cramer und Klett in Nürnberg erwarb ihren Eisenbahnwagen ganz besondern Ruf, während König und Bauer in Oberzell bei Würzburg die vorzüglichsten Schnellpressen, darunter vier- und sogar sechsfache, bauen. Die großartigsten Maschinenwerkstätten, deren Werke ihre Tüchtigkeit bewährt haben, bestehen in Berlin, Wien, München, Augsburg, Eßlingen, Karlsruhe, Aachen, Ruhrort, Hannover, Nürnberg, Triest etc., die zahlreichen im Beginn ihrer Thätigkeit begriffenen Werke und projektirten Unternehmungen gar nicht zu erwähnen.
Zu den Werken, deren Ruf fest begründet ist, gehört das Maffei’sche große Eisenwerk mit Maschinenfabrik in der sogenannten Hirschau des englischen Gartens bei München. Die ausgedehnten Baulichkeiten enthalten Werkstätten für Eisenguß, Schmieden und Walzen; die Anstalt liefert Dampfmaschinen, Dampfschiffe und Lokomotiven von allen Größen. Ihre Dampfschiffe befahren die Donau und den Starnbergersee, ihre Maschinen findet man u. A. in der mechanischen Baumwollspinnerei in Augsburg wieder, ihre große Semmerings-Lokomotive „Bavaria“ errang bei der Konkurrenzfahrt im August 1851 den ersten Preis, und die Ludwig-Süd-Nord-, sowie die Westbahn machten hier einen großen Theil ihrer Bestellungen. Gründer und Besitzer dieser Hirschauer Werke ist Joseph Anton Ritter von Maffei. Als Sohn eines Kaufmanns zu München im Jahr 1790 geboren, widmete er sich von frühester Jugend an unter seines Vaters Augen der Handlung, brachte dann mehre Jahre in Italien zu und übernahm, 26 Jahre alt, das väterliche Geschäft in München. Welches Vertrauen der Mann sich zu erwerben wußte, bewiesen seine Mitbürger ihm bald in der ehrendsten Weise; er wurde nacheinander Magistratsrath, Administrator der Hypotheken- und Wechselbank, Abgeordneter für München in der Ständekammer und, 1845, Vorstand der Handelskammer von Oberbayern. So sehen wir auch in ihm einen rastlosen Mann von Rath und That, der sich um Bayern große Verdienste erworben und deshalb nur gerechte Anerkennung gefunden hat. Namentlich verdankt man ihm zum großen Theil die Anlegung der ersten größeren Eisenbahn (von München nach Augsburg) und des ersten Lokomotivenbaus in Bayern; letztere ging schon im Jahr 1841 aus der Maschinenfabrik in der Hirschau hervor. Eine Beschreibung derselben erwartet der Leser nicht. Wer eine solche Anstalt gesehen hat, würde auch hier nur Bekanntes wiederfinden, bedarf deshalb unserer Beschreibung nicht, und wer noch keine derartige Fabrikanlage gesehen, dem würde durch eine Schilderung, wie unser beschränkter Raum sie gestattete, das rechte Bild des großartigen Ineinandergreifens einer Reihe von Riesengliedern mit Riesenkräften doch nicht klar werden. Hier heißt es: selbst sehen, und dazu, lieber Leser, wird es für Jeden im Vaterland hoffentlich der Gelegenheiten von Jahr zu Jahr immer mehr geben.
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 239. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/248&oldid=- (Version vom 20.12.2025)