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Great-Salt-Lake-City, die Mormonenstadt in Utah.




Auf die Hauptstadt der „Heiligen des jüngsten Tages nach Joseph Smith’s neuestem Testamente“ ist in diesem Augenblick (Oktober 1857) die Aufmerksamkeit von Tausenden in allen Erdtheilen gerichtet. Gegen die Mormonen am großen Salzsee setzten sich am 18. Juli vom Fort Leavenworth (unweit Weston am Missouri) aus zwei Regimenter Infanterie, ein Dragoner-Regiment und eine Batterie leichter Artillerie, im Ganzen 2500 Mann unter dem Kommando des Generals Hearney und begleitet von einem Train von 500 Wägen, mit je zwölf Ochsen oder acht Maulthieren bespannt, als Exekutionstruppen der Union in Bewegung, um den Gesetzen und Beamteten des Kongresses dort Achtung und Gehorsam zu verschaffen. Die für europäische Anschauung unbedeutende Truppenzahl könnte Manchen verleiten, diesen militärischen Wüstenzug für eine nordamerikanische Lokalkleinigkeit zu halten, deren Interesse sich nicht bis zu uns herüber erstrecke. Die ganze Angelegenheit steht jedoch jetzt schon anders. Sind die Mormonen auch keine Erscheinung, welche der europäischen Civilisation diesseits und jenseits des atlantischen Oceans und der dermaligen Ausbildungsstufe des Christenthums in den niederen Volksklassen zur Ehre gereichen, so haben sie sich doch zu einer Macht emporgearbeitet, welcher bis jetzt nicht nur die Wüste und der granitne Wall schreckenreicher Gebirge zum Schutz, sondern der blindeste Fanatismus zur Trutzwaffe diente. Dazu haben ihre Missionäre kein Land der Erde unbesucht gelassen, und Hunderte von Gemeinden sind gegründet, deren einzige Zuversicht und Sehnsucht nach der „großen Salzseestadt“ hingerichtet ist, die der Prophet ihres alleinheiligen Glaubens „das neue Jerusalem“ nennt, und wo ihnen das Zion winkt mit der „Kirche Christi der Heiligen des jüngsten Tages.“ Immer neue Schaaren bevölkern die große Oase in der Wüste zwischen Kalifornien und dem Westland, Schaaren, die in keinerlei staatsbürgerlicher Pflichtverbindung mit Union und Kongreß stehen, sondern nur „Heilige“ sind im „Lande Deseret“, wie der Nachfolger Smith’s im Oberpriester- und Prophetenamt, Brigham Young, das neue Kanaan nannte. Das Ziel der Mormonen, unabhängig von den nordamerikanischen Freistaaten nicht nur einen selbstständigen Staat mit der Ausdehnung bis an das stille Meer zu gründen, mit welchem es jetzt schon durch zahlreiche Kolonien wie mit kriegerischen Stationsposten verknüpft ist, sondern, in Verbindung mit den mormonenfreundlichen und unionsfeindlichen Indianern, das gesammte