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„Heidenthum“, d. h. alle Nicht-Mormonen Amerika’s, mit Gewalt zu bekehren, oder zu vertreiben und zu vertilgen – dieses Ziel ist längst von den Mormonen ausgesprochen und von den Amerikanern als Wahnwitz verlacht worden; aber nun die ersten Schritte zur Erreichung desselben mit aller Sieges- und Rechtsgewißheit der „Heiligen“ und aller Rücksichtslosigkeit und Grausamkeit gegen die „Heiden“ gethan sind, erhebt sich plötzlich in der ganzen Union nur eine Stimme gegen eine längere Duldung solchen Treibens. Ob nun die Mormonen dem Wunsche der Regierung, sie auf dem Wege friedlicher Verständigung zum Gehorsam gegen die Gesetze der Union zurückzuführen, einsichtig entgegen kommen, oder ob sie die Waffenmacht Nordamerika’s herausfordern, muß die nächste Zukunft entscheiden. Jedenfalls ist man in Washington entschlossen, das starre mormonische Holz zu biegen oder zu brechen.

Betrachten wir nun die Stadt am großen Salzsee, wie sie jetzt noch steht; das Bild möchte durch einen Schlag des Schicksals leicht eine plötzliche Veränderung erleiden.

Die Vertreibung der Mormonen aus ihrem blühenden Sitze zu Nauwoo, das sich durch ihre Ameisenthätigkeit binnen zwei Jahren zu einer Stadt von 2000 Häusern mit 20,000 Einwohnern erhoben hatte, sowie der grauenvolle Zug der 40,000 Vertriebenen durch die tausend Meilen der Wüste ist zugleich mit der Geschichte der Gründung und einer Charakteristik des Mormonenthums im fünfzehnten Bande des Universums (S. 137 bis 147) dargestellt worden. Die ersten Schaaren hatten den Mississippi im Frühling 1845 verlassen und im Frühsommer 1847 war von der Hauptkolonne das Thal am großen Salzsee zuerst betreten und als das „den Heiligen“ von Gott verheißene Land in Besitz genommen worden. Die neue Stadt ist mit wunderbarer Schnelligkeit wie aus demBoden hervor geschossen. Schon eine Stunde nach der Ankunft der ersten Mormonen sah man Beil und Pflug, Hacke und Spaten der rastlosen Männer in Thätigkeit, und jetzt, nach zehn Jahren, steht ein zweites Nauwoo am großen Salzsee, eine Stadt, die einen Flächenraum von vier (engl.) Geviertmeilen bedeckt, umgrünt von einem wahren Garten an Fruchtbarkeit, die der Fleiß hervorzwang.

Lage und Umgebung dieses Neujerusalems sind außerordentlich schön. Es dehnt seine großartigen Glieder aus vor der westlichen Abdachung des Wasatschgebirgs, welches sich vom nördlichen Ende des großen Salzsees nach Südwesten gegen die Quellen des San Joaljuin hin erstreckt, diese vom Coloradothale und von dem großen kalifornischen Bassin scheidet und an dem östlichen Ufer des frischen und klaren Utahsees hinläuft. Den Blick nach Westen entzückt ein grünumhangenes Amphitheater von Bergen, deren schneebeladene Gipfel uns die Mährchen des Ostens mit ihren Berggeisterschlössern vor die Seele zaubern. Neben dieser Alpenpracht gewährt der See selbst einen großen Schmuck der Landschaft, der noch erhöht wird durch die schönen Inseln, die er umgibt. Sein Wasser ist so salzhaltig, daß der menschliche Körper nicht darin untersinken kann und die Salzsieder aus drei Maß