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| Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band | |
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Bis zum Winter 1853 waren in allen Wards der Stadt Volksschulen errichtet, in denen sogar Unterricht in fremden Sprachen, namentlich in den im Gebiete von Utah vorzüglich gangbaren Indianerdialekten ertheilt wird. In der neuerrichteten „Social Hall“ eröffnete zur selben Zeit eine Schauspielertruppe ihre Vorstellungen. Die massiven Mauern um den Tempelplatz und um die ganze Stadt gingen schon im Sommer 1854 ihrer Vollendung entgegen. Begonnen wurde die Erbauung eines 40 Meilen langen Kanals vom Utahsee bis zum Salzsee, durch welchen mehre tausend Acres anbaufähigen Landes die nöthige Bewässerung erhalten sollten. Endlich ward der Bau eines großartigen Universitätsgebäudes auf der ersten breiten Terrasse, welche sich im nördlichen Theile der Stadt erhebt, vorbereitet; vermittelst eines Kanals wollte man die Umgebung der Anstalt durch Springbrunnen verschönern, Haine, Blumenbeete und botanische Gärten bewässern und Bassins ausgedehnter Bade- und Schwimmanstalten speisen. Ein großes Viereck sollte zu einem Turn- und Fechtplatze, sowie zur Reitschule eingerichtet werden, und eine Sternwarte, für welche die Instrumente bereits bereit liegen, eine Anstalt zur Ausbildung von Ingenieuren und Landvermessern und eine Berg- und landwirthschaftliche Schule sollten den stattlichen Kranz von Bildungsmitteln in der Mormonen-Hauptstadt schließen.
Außer Salt-Lake-City haben die Mormonen im Territorium von Utah Niederlassungen gegründet auf einer Längenausdehnung von 200 (engl.) Meilen. Vierzig Meilen von der Tempelstadt, nach Norden hin, liegt Ogden City in reizender Gegend am Zusammenfluß des Weber und Ogden; sechzig Meilen nach Süden erblüht eine Ansiedelung am Timpanogosflusse; 70 Meilen südlicher erhebt sich bei der Stadt Manti die neue Kolonie San Pete Valley; in der Nähe des kleinen Salzsees, wo noch weit mehr der Bewässerung fähiges Land ist, als am großen Salzsee, findet man massenhaftes Brennmaterial für den nahen Eisenreichthum von Paroan oder Iron City; und im Tuillathale, 30 Meilen westlich von der Salzseestadt, sind Ansiedelungen mit vielen Säge- und Mahlmühlen. – Aber nicht nur innerhalb der Grenzen der Union und im übrigen Amerika haben die Mormonen zahlreiche und zum Theile sehr starke Gemeinden mit Tempeln und Priestern, die sämmtlich ihre Gebote vom Propheten in Deseret erwarten, sondern, wie schon bemerkt, in allen Erdtheilen. Auf den Sandwichsinseln beten 5000 Mormonen in hawaiischer Sprache, in Sidney belehrt der „Zions watchman“ die „Heiligen“ Australiens, zu Calcutta und Ava im Birmanenreich, zu Dinapore, Chivesarah, Madras und Ceylon, in Bombay, in Siam und am Kap der guten Hoffnung wird das Evangelium der Jüngstentagesheiligen gepredigt, und in Europa ist das britische Reich die Hauptquelle der Mormonenmacht: 9/10 der Bevölkerung von Utah sind zu Heiligen bekehrte Bauern aus England, Irland und Wales! Das Buch Mormon, Jos. Smith’s neuestes Testament, ist jedoch nicht bloß in’s Englische und Wälische, sondern auch in’s Deutsche, Französische, Italienische, Dänische und Schwedische übersetzt und findet in all diesen Sprachen seine Leser und Anhänger. Wie jede Religionsgemeinschaft,
Friedrich Hofmann: Meyer’s Universum, oder Abbildung und Beschreibung des Sehenswerthesten und Merkwürdigsten der Natur und Kunst auf der ganzen Erde. Achtzehnter Band. Bibliographisches Institut, Hildburghausen, New York 1857, Seite 248. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Meyers_Universum_18._Band_1857.djvu/257&oldid=- (Version vom 20.12.2025)